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Furchtfragen
28. April 2004
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| Fear Factory mit neuem Album
und jeder Menge Brutalität
Bild: SN/roadrunner |
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Glücklich dank Reunion: Fear-Factory-Gitarrist
Christian Olde Wolbers anläßlich des neuen
Albums "Archetype" im FRITZ-Exklusiv-Interview.
Alles wichtige über das neue Fear-Factory-Album
ist in der Fritz-Kritik gesagt: Kurze Trennung, flotte
Reunion ohne Gitarrist Dino Cazares, und nach dem problematischen
"Digimortal" mit "Archetype" ein
Album vorgelegt, das die Band zurück zu ihren unkomplizierten
Wurzeln bringt. Grund genug, der Gruppe ein bißchen
auf den Zahn zu fühlen.
Ich spreche mit Christian Olde Wolbers, dem ehemaligen
Bassisten der Band, der jetzt beim Reunion-Album "Archetype"
zum Gitarristen aufgestiegen ist. Christian sitzt in
Amsterdam, wo er heute schon über 20 Telefoninterviews
gegeben hat. "Ich habe noch nie in meinem Leben
so viel gesprochen", sagt er mir. Trotz glühendem
Ohr und fusselig geredetem Mund ist der humorvolle Stanley-Clarke-Fan
jedoch mehr als gewillt, mir ausführlich meine
Fragen zu beantworten.
FRITZ: Gut zu sehen, daß es Fear Factory noch
gibt. Ich erinnere mich, daß ihr euch vor einem
Jahr getrennt habt, und jetzt gibt es plötzlich
ein neues Album. Was ist passiert?
COW: Die Beziehung zwischen gewissen Leuten in der
Gruppe fand ein Ende. Manchmal leben sich Menschen auseinander,
aus verschiedenen Gründen. Burt [Burton Bell, der
Sänger] entschloß sich, auszusteigen. Er
wollte alles hinwerfen, weil er es nicht mehr aushielt.
Und das war's: Fear Factory waren fertig. Aber dann
wollten uns Roadrunner nicht gehen lassen, weil wir
immer noch unter Vertrag standen. Also konnten wir nichts
anderes machen - wir wollten alle verschiedene Projekte
machen. Also mußte ich einen Weg finden, damit
wir vom Label loskamen, und ich wußte, wenn ich
ihnen ein 4-Song-Demo für das nächste Album
geben würde, als Trick - "her mit dem nächsten
Scheck, unserer Vorauszahlung" - daß sie
uns wahrscheinlich rauswerfen würden. Also erzählte
ich das Burt und Raymond, und sie mochten die Idee.
Roadrunner brütete 8 Monate über dem Demo
und versuchten, herauszufinden, was sie damit machen
wollten. Und letztendlich warfen sie uns raus. Wir waren
frei, runter vom Label. Und dann bekamen wir ein Angebot
von einem Label, eine Fear-Factory-Platte aufzunehmen.
Wir dachten: Hmmm ... Wir hatten eine Menge Spaß,
diese 4 Songs zu schreiben, die waren wirklich gut.
Wir kamen darauf, daß es uns eigentlich gefallen
hatte, zusammenzuarbeiten, also sagten wir: Machen wir
ein Album. Warum nicht? Und der Vertrag ist wirklich
gut. Kein Vertrag wie bei Roadrunner - wir hatten damals
einen wirklich schlechten Vertrag unterzeichnet. Wir
hatten eine Menge Spaß bei der Zusammenarbeit,
ohne Streß, jeder war glücklich. Das hört
man dem Album auch an.
Das Album klingt sehr wütend ...
Ja, es ist sehr brutal!
Bei einem Song, "Cyberwaste", schreit
Burton: "Nothing you say matters to us!" --
(lacht) Da geht es im Prinzip um Kids, die in Internet-Chatrooms
Schwachsinn reden. Als wir zuerst wieder zusammenkamen,
gab es zum Beispiel auf dieser Website namens Blabbermouth
all diese Kids, die nur Blödsinn geredet haben,
ohne zu wissen, was sie überhaupt sagen oder was
überhaupt Sache ist. Keiner von denen hat überhaupt
eine Ahnung. Die sitzen nur da und denken sich diesen
ganzen Schwachsinn aus. Schlimmer als die Boulevardpresse.
Du bist ja jetzt "aufgestiegen", sozusagen,
und spielst jetzt Gitarre. Ihr habt also jetzt einen
neuen Bassisten?
Ja, Byron Stroud von Strapping Young Lad. Wir haben
ihn gefragt, ob er der Band beitreten will, und er sagte:
Klar, los geht's. Wir kannten ihn schon seit 1998, er
ist ein langjähriger Freund von uns. Es war sehr
einfach, ihn in die Band zu kriegen.
Wie würdest du sagen ist Fear Factory jetzt
anders, wo Dino weg ist und du Gitarre spielst?
Der größte Unterschied, den ich in den letzten
zwei Jahren bemerkt habe, ist der, daß wir engere
Freunde geworden sind als jemals in den zwölf Jahren
zuvor. Das fühlt sich wirklich gut an.
Hat das etwas geändert beim Songwriting, beim
Arbeiten im Studio?
Ja, natürlich. Wir halten uns nicht im Studio
auf, wir nehmen die Songs auf und basteln nicht eineinhalb
Jahre an ihnen herum. Was sonst nämlich passiert,
ist, daß man die ganze Energie und den Vibe verliert.
Deshalb sind Slayer-Album so großartig: Die Songs
sind fertig, und dann: Zack! Ins Studio und ab geht's.
Oftmals, when man probiert, Songs über die Zeitspanne
von einem ganzen Jahr zu schreiben, und Singles zu schreiben,
dann müssen die Songs ein bestimmtes Format haben,
und die Band wird nie wieder so klingen wie früher.
Das mochte ich früher immer bei Hardcore: Das war
nicht für irgendein Format geschrieben, das hatte
jede Menge Energie. Ich glaube, wir haben eine Menge
Fans mit "Digimortal" verloren. Ich wußte
einfach, daß wir diesmal ein gutes, energiegeladenes
Album aufnehmen mußten. Der Songwriting-Prozess
war einfach, der einfachste, den ich je erlebt habe.
Die Hälfte der Songs haben Raymond und ich an einem
Tag geschrieben.
Ehrlich?
Ich meinte einen Song pro Tag.
Du hast von "Digimortal" gesprochen, und
ich erinnere mich an eine Menge Kritiken, wo es hieß,
daß ihr auf der Stelle tretet. Hat euch das für
das neue Album beeinflußt?
"Digimortal" ... ich bin überhaupt nicht
mit diesem Album glücklich. Ich weigere mich, Songs
davon live zu spielen. Naja, tut mir ja leid für
jeden, der "Digimortal" mag, aber ihr müßt
euch mit den neuen Songs oder mit älterem Material
zufriedengeben.
Was ging bei "Digimortal" schief?
Kein Vibe. Unsere Freundschaft fiel auch auseinander.
Der ganze Prozeß des Songschreibens war sehr stressig
und schmerzhaft. Wenn es nicht mal mehr Spaß macht,
zur Probe zu gehen oder auf der Bühne zu spielen,
dann macht man sich selbst und den Fans etwas vor. Jetzt
fühle ich mich wieder wie 20, als ich zuerst spielen
wollte.
Das neue Album heißt "Archetype"
- Fear Factory ist ja so etwas wie der Archetypus moderner
harter Musik.
Fear Factory ist der Archetypus, weil Burt damit anfing,
zu gröhlen und zu singen. Das gab es vorher nicht
wirklich. Burt war der erste, der dieses wirklich harte
Gröhlen hatte und den Gesang, und ich glaube, er
hat den Grundstock für viele der neuen Bands gelegt.
Keiner hat die Gitarren so mit dem Schlagzeug verzahnt
wie wir. Manche Bands ein bißchen, aber Fear Factory
hat es zu einem neuen Extrem gesteigert. Die tiefgestimmten
Gitarren - die Band war so verdammt heavy, daß
sie mir, als ich sie zum ersten Mal gehört habe,
in den Magen getreten hat.
Viele der Bands, die ihr beeinflußt habt,
sind ja mittlerweile erfolgreicher als ihr. Vor allem
einige der Nu-Metal-Bands, die sogar in die Charts kamen.
Glaubt ihr, daß ihr die Anerkennung kriegt, die
ihr verdient?
Ich will keine Anerkennung verdienen, ich will nur,
daß die Leute unser neues Album mögen (lacht).
Ich versuche, bescheiden zu bleiben und mit den Füßen
auf dem Boden zu bleiben. Ich versuche nicht, nach Dankbarkeit
und Anerkennung zu suchen. I just want to come to town
and bring the roof down!
#christian genzel
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