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Rockröhre
5. Oktober 2004
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| Doro Pesch meets Classic. Bild:
SN/ |
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Die deutsche Metal-Queen Doro war auf Kurzbesuch
in Wien. FRITZ hat mit ihr über ihr neues Album,
ihre Kindheit und ihr Verhältnis zu Österreich
geplaudert.
FRITZ: War diese Klassiker-CD (Classic Diamonds)
Deine Idee?
Doro: Naja, 2001 haben wir ja schon einmal mit
einem Orchester gespielt, dem Symphonieorchester Düsseldorf.
Da gab's volles Haus und die Stimmung war einfach geil!
Und auf unserer letzten Tour hatten wir dann ein Benefiz-Konzert
für "Tiere in Not". Das Konzert mit dem
Metal Classic Night Orchester war wirklich hammer, da
waren Russen, Thailänder, Deutsche, Junge, Alte,
einfach alles am Start. Und die Rockfans haben auch
gemeint: "Ey, das hört sich super-geil an!"
Und damit war die Idee geboren, eine CD mit Orchester
zu machen. Eigentlich wären zwei Monate Aufnahmezeit
geplant gewesen, aber das hat alles ein Eigenleben entwickelt
und hat dann acht Monate gedauert. Es ist echt zweimal
soviel Aufwand wie eine normale Produktion - der arme
Tontechniker! Da waren ja vierzig Mann am Werken, so
viele Tonspuren hab' ich davor noch nie gesehen! Echt
Wahnsinn! Aber es hat sich gelohnt.
Anfangs muss man sich echt umgewöhnen, an den
neuen Sound anpassen. Klar, Keyboard macht auch diverse
Sounds, aber es ist nicht das Echte und Wahre. Ich hab'
jetzt lieber ein Live-Chello als ein Keyboard. Das hat
viel mehr Emotion. Da kann man dasitzen und genießen,
kriegt eine Gänsehaut und Tränen in den Augen,
weil es so berührt..
FRITZ: Wie kam es zu der Liederauswahl? Es sind
ja doch viele langsame dabei . . .
Doro: Wir wollten natürlich die Songs mit
oben haben, die uns am besten gefallen, zum Beispiel
"We are". Und dann haben wir noch die Fans
gefragt, welche Songs sie denn gerne einmal in einem
"anderen Gewand" hören möchten.
So war's zum Beispiel bei "Love me in black".
Der ist von 1998, ziemlich modern, also keine traditionellen
Sounds. Der war den Fans wohl zu elektronisch - tja,
und dem Song taten das Cello und die Streicher echt
gut. Und Balladen eigenen sich sowieso extrem gut für
Streicher, darum die vielen langsameren Songs.
FRITZ: Was hältst Du von anderen Bands,
die mit Orchester gespielt haben?
Doro: Bei Metallica haben mir schon immer die
Balladen besser gefallen. Sonst bin ich eigentlich kein
Fan von "Classic meets Metal"
FRITZ: Wird's auch einen Gig in Österreich
geben?
Doro: Du, das ist ein wahnsinniger Aufwand,
wenn man mit Orchester unterwegs ist! Beim letzten Konzert
waren 45 Männchen auf der Bühne, das ist irre.
Allein die Reisekosten sind heftig. Bei so einer Tournee
gewinnt keiner, da muss man eher aufpassen, dass es
kein Verlustgeschäft wird. Aber wir sind am 23.10.
in München!
FRITZ: Was gefällt Dir mehr, Festivals
oder Konzerte?
Doro: Das kommt auf die Emotion an. Mir ist
es egal, ob ich vor 10 oder 50.000 Leuten spiele. In
Wacken sind ja Metalfans aus aller Welt - das ist ein
Abenteuer für die Nerven: mit vierzig Leuten -
wenn da was daneben geht: da muss man sich echt total
konzentrieren! Sonst spiel ich frei raus, aber da war
alles geplant . . . Da hab ich mich mal total vertan
und wollte spontan einen anderen Song spielen - da is'
mir der Dirigent aber böse geworden. Spontanes
geht halt nicht, weil vierzig Leute ihre Noten austauschen
müssten..
FRITZ: Wie schaut es mit Privatleben und Urlaub
aus?
Doro: Urlaub, ne, den gib's nich' wirklich.
Und Privatleben ist auch schwer, hab ich nicht. Ich
musste mich mal entscheiden: Musik oder Familie. Ich
habe keine Kinder, kein klassisches Familienleben, aber
das ist OK. Die Fans sind meine große Familie.
Das gibt immer volle Motivation. Je länger ich
dabei bin, umso mehr schätz' ich den Erfolg.
Die 90er sind ja keine gute Zeit für Metal gewesen,
erst 99 ging's langsam bergauf. Und jetzt heißt's
dranbleiben. Aber die fetten 80er-Jahre sind vorbei.
Trotzdem, solange es den Fans was gibt, macht's Spaß!
Da war zum Beispiel mal eine Schwangere, die wollte
ein Autogramm auf ihren Bauch, Den hab ich dann mit
Filzschreiber voll gekritzelt - uh! Und dann hatte ich
plötzlich Angst bekommen, wegen dem Filzschreiber
und ob der dem Baby nicht schadet und so . . .
Ich sah sie dann nach der Geburt wieder und da hat
sie erzählt, dass sie die Ärzte belabert hatte,
dass sie meine Musik bei der Geburt hören will.
Da war mein Stress wie weggefegt - für solche Momente
macht man's!
Ich spiele auch manchmal bei Biker-Hochzeiten. "Für
immer" ist so ein Klassiker für Heiratsanträge.
Ich bekomme auch so zwei bis drei Anträge pro Tour.
Es ist kein 0815-Song und das merken die Fans. Auch
bei meinem Österreichkonzert vor 2 ½ Jahren,
boah, da war die Stimmung so geil. Der krasse Gegensatz
zu meiner Tournee in Thailand. Da hatte ich auf so 'ner
Insel gespielt: die haben ganz anders reagiert, die
haben sich nicht mal getraut aufzustehen! Da hatten
wir dann auch noch zwei Tage in Bangkok frei, das war
mein letzter Urlaub. Mir war nach einem Tag schon wieder
langweilig . . . Urlaub ist nichts für mich . .
.
FRITZ: Hast Du schon immer Metal gehört?
Doro: Metal, das ist eine weltweite Gemeinschaft.
Ich wusste sofort, dass das meine Welt ist. Da hat man
die totale Freiheit: von Ultra-Hard-Core bis zur feinen
Ballade. Mein persönlicher Favorit ist ja Breaking-the-Law:
alles erlaubt!
FRITZ: Dein Lieblingsakkord?
Doro: Ich würde sagen, bei mir gibt's Kombinationen,
die mir zusagen. Einzelne Akkorde, hm, Dminor: ist so
schön dunkel. Ich mag dunkles Zeug. Auch bei Songs
gibt's zwei Kategorien: eine gute, das ist die depressive
Schiene. Und eine schlechte: das sind diese Happy-Songs.
Oah, die kann ich nich` ab, die find ich einfach Scheiße.
Bin halt eher für's Böse . . . (lacht)
FRITZ: Deine erste Österreich-Erfahrung?
Doro: Das war bei einem Musik-Video-Dreh in
Wien. Wir wollten die Geschichte der Band zeigen: die
Bandmitglieder als Kinder und dann, wie wir jetzt aussehen.
Beim Casting haben wir Kinder gesucht, die uns ähnlich
sehen. Und wir haben extra dazu gesagt, dass die Kinder
etwas versifft kommen sollen, so abgerissen und so.
Und dann tanzen da voll ´rausgeputzte Püppchen
an - von wegen Fernsehen und so, da muss man ja schön
sein! (lacht) Wir haben dann die Eltern weggeschickt
- die hätten ihren Kindern am liebsten die ganze
Zeit die Hand gehalten. Phu, die wären in Ohnmacht
gefallen, wenn sie gewusst hätten, wie ihre Kinder
nachher ausgesehen haben: wie eine Vorstadt-Gang!
FRITZ: Wie war Deine eigene Kindheit?
Doro: Ich war wohl ein ziemlicher Rotzlöffel.
Mein Vater war Fernfahrer, das heißt, ich bin
im LKW aufgewachsen. Ich habe jede Raststätte gekannt,
wusste, wie man Reifen wechselt und das alles. Dafür
war Schule für mich furchtbar! Die Kinder waren
so anders, hatten so andere Interessen. Da waren echt
Welten aufeinander geprallt.
#martina "dini" lettner
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