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HipHop mit ironischem Grinsen
29. November 2002
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| Voll krass - Die Jungs von Deichkind
Bild: SN/deichkind |
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Deichkind aus Hamburg auf Tour durch österreichische
Gefilde
Keine Baseball-Caps, kein Gangstergehabe, kein verbissenes
Propagieren der "reinen Lehre" - aber dennoch
HipHop. Deichkind, die vier Jungs aus Hamburg sind anders.
Auf ihrer Tournee ab 28. November, die sie im Jänner
auch nach Wien, Dornbirn, Timelkam, Salzburg, Seefeld,
Klagenfurt und Graz führt, reisen sie mit knuffigem,
tanzbaren Deutsch-Rap durch die Lande, haben aber dabei
mehr als ein Großteil der deutschen HipHop-Acts
zu bieten.
In ihren Texten grinst aus beinahe jedem Reim eine
gesunde Portion Humor, und mit ihren Klängen wagen
sich Deichkind auf Wege, die manchmal weit weg von HipHop
führen: Vielleicht ist es programmatisch gemeint,
dass ihr zweites, im Herbst erschienenes Album "Noch
fünf Minuten Mutti" (Eastwest) mit einem Track
wie "Introduction D'Allemagne" eröffnen:
Mit majestätischem Klavier und Ernst in der Stimme
schwingt sich eine Ballade in die Höhe, die auch
aus einer dunklen Ecke des Popgeschäfts irgendwo
zwischen Hans Hartz und Guns'n'Roses stammen könnte.
Natürlich hat auch jede Note ein ironisches Grinsen
im Gesicht. Aber das und noch einige andere Stücke
des aktuellen Albums zeigen, dass Deichkind nicht nur
über Scratchen und Reimen zur Musik gekommen sind,
sondern einen breiteren Background haben. Bartosch Jeznach,
Malte Pittner und Philipp Grütering musizierten
in Jazz-Funkbands oder legten als DJ Rare-Groove-Stücke
aus den Sechziger und siebziger Jahren auf, bevor sie
1997 als HipHop-Formation Deichkind loszogen. Inzwischen
ist auch Sebastian "Sebi" Hackert offizielles
Deichkind-Mitglied und zeichnet als Toningenieur und
Produzent für viele eigenwillige und treffende
Sounds verantwortlich.
Noch stärker als auf ihrem Plattendebüt
"Bitte ziehen Sie durch" von 1999 (mit der
Top-Ten-Single "Bon Voyage") kommen auf dem
aktuellen Album die verschiedenen musikalischen Einflüsse
zum Tragen. Philipp Grütering erklärt im Gespräch
mit AP: "Die neue LP ist musikalisch breiter angelegt
als die erste. Zum einen wollten wir auf einigen Stücken
das starre Schema Reim-Refrain-Reim aufbrechen, zum
anderen stützen wir uns diesmal nicht mehr so stark
auf Samples, sondern spielten sehr viele Sachen selbst
ein. Und schließlich gingen wir auch einen Schritt
weg vom HipHop, obwohl das immer noch unsere Basis ist,
und integrierten kleine Hörspiel-Stücke, Rock
und sogar Country in unseren Sound." Sogar Country
in der Tat: "Da wo" ist ein richtiges Countrystück
geworden, Geige spielt Lucius Reichling von den allseits
bekannten, in HipHop-Kreisen bislang nicht so geschätzten
Truck Stop.
Trotz der spaßigen, manchmal etwas zotigen Texte
sei die Show jugendfrei, betont Grütering, auch
wenn mit dem ebenfalls aus Hamburg stammenden Manuel
Muerte ein "Splatter-Zauberer" die HipHopper
auf der Tour begleitet. Spaß ist jedenfalls garantiert,
obwohl Philipp den oft gebrauchten Begriff des "Spaß-Rappers"
nicht so gerne hört, wie er erklärt: "Natürlich
haben wir Spaß. Aber der Begriff 'Spaß-Rapper'
ist doch irgendwie daneben."
#markus schwarz
(ap)
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