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Verrückt im Prinzip
18. Juli 2002
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| Salzburgs Crossover-Exportartikel
da*loco Bild: SN/Virgin |
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Der Salzburger DaLoco veröffentlichte vor kurzem
sein Debütalbum: krachender Crossover mit erfrischend
ungewöhnlicher Perspektive.
Der Bub vom Nachbartisch kommt und beäugt DaLoco
skeptisch. Heftige Tatoos greifen unter dem Ruderleiberl
hervor. Die Haare streng zu einigen Zöpfchen geflochten.
Eine beherrschende Stimme. Eine Erscheinung ist er.
Und strahlt damit sichtbar aus, was in ihm drinsitzt:
eine Kingsize-Portion Selbstbewusstsein bis zum Zopfansatz.
"Ich wollte immer schon definitiv Rockstar werden",
sagt der 24-Jährige. Seinen Geburtsort Obertrum
empfand er dabei nie als Hindernis. Er wusste, dass
er weg muss, wenn 's auf die großen Bühnen
gehen soll. Also nur ein paar sporadische Auftritte
im lokalen Bereich, dann jemanden kennen gelernt und
seither in München künstlerisch beheimatet.
Und das alles innerhalb von drei, vier Jahren.
Am 15. Juli erschien sein erstes, selbst betiteltes
Album, das seit Sommer des vergangenen Jahres fertig
ist. Vertrieben wird es von Virgin. Unter Vertrag ist
er in München bei Hage Heins "Blanko Musik".
Dort zu Hause sind unter anderem auch Hubert von Goisern
oder Zabine. DaLocos harter Sprechgesang-Crossover,
soundmäßig gespeist mit Anleihen eher aus
dem Heavy-Metal-Bereich als aus dem HipHop, mag da auf
den ersten Blick gar nicht hinpassen. Aber es ist ja
ein Reiz, sich gerade deshalb durchzusetzen. Lange tingelte
er herum. In klassischer Manier lernte er in diversen
Plattenfirmen-Büros, wie das Musikgeschäft
funktioniert: Ausbeutung und wenig Respekt sind Grundpfeiler.
"Unglaublich, wie einen die zum Teil behandeln."
Bitternis klingt da aber weniger mit als der Drang,
es trotzdem schaffen zu wollen. Aufgeben tut man einen
Brief, aber nicht einen Traum.
Als DaLoco, der Verrückte, galt er ohnehin schon
zur Schulzeit und zugetraut hat ihm - außer er
sich selbst - kaum einer was. Die Namens-Mischung aus
Umgangssprachlichem Artikel und spanischem Hauptwort
darf dabei ruhig als Indiz für ein Leben interpretiert
werden, in dem einer genau weiß, wo er herkommt
und gleichzeitig rastlos nach scheinbar fernen Zielen
strebt.
Die Karriereidee ist kurz erzählt: "Sich
nirgends länger aufhalten als man das Gefühl
hat, dass irgendetwas weitergeht, irgendetwas passiert,
das mich einen Schritt voranbringt." Darum scheint
ihm das nun erscheinende Album auch "schon recht
weg weit". Längst entstanden neue Songs, neue
Perspektiven haben sich ergeben. Es geht voran.
"Ich will mit meinen Songs nicht den einen, wahren
Weg vorgeben. Ich habe ihn gar nicht. Ich will stattdessen
einfach zeigen, wie ich als 24-Jähriger mein Leben
hinterfrage." So entstand ein Album, das sich thematisch
nicht mit außergewöhnlichen Dingen beschäftigt,
das aber voller außergewöhnlicher Perspektiven
ist. Denn der erste, einfache Blick ist nicht DaLocos
Sache.
Darum hat er sich nach einem intensiven Flirt auch
nicht lange beim Hip-Hop aufgehalten. "Der größte
Teil im deutschsprachigen Bereich verfügt doch
nicht mehr über einen Funken Philosophie",
sagt er. Und außerdem sei in nur kurzer Zeit "in
dieser angeblich so freien Szene ein sehr enges Weltbild
entworfen worden". Und Enge ist nichts für
ihn. "Die Wahrheit ist eine individuelle Sache",
sagt er und richtet das Augenmerk schon wieder "auf
den nächsten Schritt, auch wenn ich nicht genau
weiß, wohin der führen wird. Und wenn es
morgen aus ist, ist es aus und es war schön".
#bernhard
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