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| The Strokes First
Impressions Of Earth |
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Schrammelkönige
12. Jänner 2006
Mit ihrem dritten Studioalbum "First
Impressions Of Earth" kehren "The Strokes" zu
ihren Wurzeln zurück.
"Zugegeben, wir führen ein sehr privilegiertes
Leben. Unsere Herkunft macht uns aber nicht zu schlechten
Rock ´n´ Rollern", schildert Strokes-Gitarrist
Albert Hammond junior (Spiegel-Interview vom Mai 2005)
die, für Rocker untypischen Verhältnisse,
in denen er und seine Bandmitglieder aufgewachsen sind.
Hammond junior – Sohn der Musiklegende Albert
Hammond senior – über die ärmlichen
Verhältnisse, aus denen sein Vater stammt: "Zugegeben,
er hat mehr Street Credibility als ich".
Dass Authentizität nicht immer von der eigenen
Herkunft abhängt, bewiesen "The Strokes" bereits
2001, als sie mit ihrem frechen Debüt "Is
This It" die nachdenkliche und tief schürfende
Musikwelt nach 9/11 wachgerüttelt haben.
Im Schatten der Terroranschläge – die Explosion
auf dem Albumcover musste kurzfristig durch einen nackten
Frauen-Po ersetzt werden – wirkte der dreckige
Indie-Punk-Rock der fünf New Yorker (alle Mitte
20) wie ein Defribilator in der Notaufnahme.
Oberflächlich, banal, nihilistisch: Mit ihrem
dritten Album "First Impressions Of Earth" (RCA
/ Sony BMG) versuchen "The Strokes", an den einstigen
Prinzipien ihres Debüts anzuknüpfen. Ihr
zweites Werk "Room On Fire" war vielen
zu poppig und flirtete regelrecht mit dem Mainstream.
Solch' Liebäugeleien mit der Popwelt werden bekanntermaßen
meist überaus streng bestraft – von Kritikern
wie auch von Fans.
Von der Presse zwar oft verschmäht, haben sich
"The Strokes" inzwischen erfolgreich etablieren können – nicht
ohne Grund setzt eine ganze Generation junger Musiker
ein "The" vor ihren Bandnamen. Was das
amerikanische Quintett auszeichnet, ist gerade das
"Schlacksige", "Träge" und "Schleppende",
wofür sie Journalisten gerne und oft kritisieren.
Auch auf dem aktuellen Album strotzen die Songs nur
so vor sympathischer Langeweile. Sie deshalb als lustlos
zu empfinden wäre jedoch falsch. Es ist das Stroke'sche
Merkmal, ihr Stil oder ihre "Street Credibility",
wenn man so will – warum Energie vortäuschen,
wenn keine vorhanden ist?
Die Strokes interpretieren zu wollen, ist bereits
eine fatale Fehlinterpretation. Zu bewusst banal
sind ihre Texte: "I hate them all, I hate them
all, I hate myself for hating them, so I´ll drink
some more. I love them all. I drink even more" (Auszug
aus "On The Other Side").
Unter den gelungenen 14 Tracks finden sich weder gröbere
Ausrutscher, noch Déjà-Vus. Casablancas
röchelt in typischer Strokes-Manier über
minimalistische Melodien ins Mikro, die 80er als massivster
Einfluss, sind deutlich rauszuhören. Der Hang
zum musikalischen Minimalismus gipfelt schließlich
in "Ask Me Anything", einem melancholischen,
leicht monotonen Cello-Zwischenspiel mit der ironischen
Kernaussage: "I've got nothing to say".
Auch hier scheiden sich die Geister. Genial oder genervt?
Schon etwas heftiger und ungewöhnlich rau geht
es hingegen in der ersten Auskoppelung "Juicebox" zur
Sache. Veränderung liegt in der Luft – diesen
Anschein zu erwecken war vermutlich die eigentliche
Intention hinter dem Song. Alles in allem sind die
Stücke nämlich gewohnt ruhig ausgefallen
und explodieren nur selten. Dennoch ziert zum ersten
Mal ein "Parental Advisory"-Logo eine Strokes-Scheibe.
Verstutzt und gespannt lauscht man bei "Razorblade":
Irgendwoher kenn ich doch diese Melodie . . . Mandy?!
Der alte Schnulzen-Hit? Fest steht wieder
einmal: Selbstironie und eingängige Melodien sind
die großen Stärken der Strokes.
Fazit: "Alles-egal-Feeling" vom Feinsten.
Definitiv ein Highlight, das für
manche womöglich langweilig wirkt, in Wirklichkeit
jedoch weit davon entfernt ist.
#stephan kliemstein
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