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Scott Stapp - The Great Divide - CD-Tipp - Review
Scott Stapp The Great Divide  
 

INTERNET
www.scott stapp.com
Offizielle Site von Scott Stapp.

 
 

Die große Kluft
6. April 2006

Ex-Creed-Sänger Scott Stapp klingt auf seinem Album "The Great Divide" immer noch wie seine ehemaligeBand - möge Gott ihm beistehen.

Mein Bruder, ein bekennender Creed Fan (er fand alle DREI Alben gut!) hat mir eine interessante Sichtweise präsentiert, als wir vor einigen Wochen das neue Scott Stapp Video angesehen haben und ich feststellte, dass es ja genauso klingt wie Creed. „Wieso soll ich mir etwas kaufen, das genauso klingt wie alle Alben die Stapp mit Creed gemacht hat?“ meinte ich. „Weil“ so sein Argument „die Creed Alben ja gut sind und wenn „The Great Divide“ genauso klingt, muss es auch gut sein. Rein logische Argumentation!“

Wer recht hat, kann jeder selbst entscheiden. Die Diskussion steckt allerdings das musikalische Terrain von „The Great Divide“ perfekt ab. Großleinwandrock mit fettesten Gitarren und mehr Pathos als in diese sechs Buchstaben reinpasst. Oder: Scott Stapp klingt wie Creed. Diesem Faden folgend ist es nahe liegend, dass es wohl kaum kreative Differenzen waren, die ihn dazu bewegt haben aus Creed auszusteigen (zumal die übrigen Bandmitglieder mit einem neuen Sänger als "Alter Bridge" ebenfalls ein Album aufgenommen haben das wie Creed klingt). Persönliche Probleme könntens schon eher gewesen sein. Zumindest drängt sich der Verdacht auf, dass Stapp einfach mal seinen Namen ganz allein wo draufstehen haben wollte.

Bei Creed hats dann aber zumindest mit dem Songmaterial besser gepasst. Hier wollen die Riffs nicht greifen und die Hooks nicht hängen bleiben. Gerade die Rocksongs sind extrem schwachbrüstig. Balladen liegen ihm da eher. Wer die erste Hälfte durchsteht, findet, versteckt ganz hinten, mit „Sublime“ und „You will soar“ schöne Melodien und die besten Songs des Albums. Die Single „The Great Divide“ ist dann wieder einer dieser Songs wo man mit Armen weit geöffnet…....ihr wisst schon. Eigentlich richtig gut, nur obs das nochmal gebraucht hätte? Der letzte Song „Broken“, eine unsägliche Klavierballade, ist dann aber wirklich zuviel des Guten.

Vielleicht steckt die persönliche Note ja in den Texten. "Welcome friends, I've got nothing to hide" heißt es zu Beginn. Ehrlichkeit und Verbrüderung, die Quintessenz des authentischen Rock. Nun, es geht um Gott. Scott Stapp hat aus seinem Glauben nie ein Geheimnis gemacht und hier lobpreist und dankt er Ihm 10 Songs lang was das Zeug hält.

Ich teile Scott Stapps Glauben nicht und vielleicht finden Leute die dies tun seine Texte ja richtig gut. Das Problem liegt aber gar nicht daran, dass er von Gott singt, sondern dass er uns nichts erzählt. Dem Teufel habe er die Hand gegeben, den Verführungen (Alkohol, Drogen, Frauen) habe er nachgeben, vom rechten Weg sei er abgekommen. Doch Gott hat ihm die Augen geöffnet, ihn zurückgeführt und jetzt ist er wieder auf dem richtigen Weg.

Hier hätte Stapp die Chance gehabt, interessante Geschichten zu erzählen. Über jemanden der mit sich und seinen Überzeugungen kämpft, der sich verlaufen hat, der sucht und Fehler macht. Doch daran lässt er uns nicht teilhaben. Er gibt uns nichts zum Angreifen und Identifizieren. Dafür dürfen wir ihm bei Danken und Preisen zuhören. Gott ist die Antwort auf alles. (Hansi Hinterseer singt das Gleiche über sein Schatzi. Beides ist ähnlich unbefriedigend und hohl).

Was mir übrigens bei christlicher Rockmusik schon immer Schwierigkeiten bereitet hat, ist folgendes: Rock-’n’-Roll als der musikalische Ausdruck von Rebellion, Spass, Ausschweifungen, Schuld, Verlangen, Sex und Liebe - alles Dinge die in der christlichen Religion ja oft (in Stapps Fall sehr offensichtlich) dem Werk des Teufels zugeordnet werden und daher als Abkehr von Gott und Gottes Weg verpönt sind. Wie also Rock und Worshipping zusammengehen soll, ohne dass eines auf der Strecke bleibt, ist mir schleierhaft.

#christoph schwarz

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