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Wütender Max
24.
März 2004
Auf Prophecy, dem vierten Soulfly-Album, zeigt sich
Max Cavalera wütend, aber auch fesselnd wie schon
lange nicht mehr.
Leztes Jahr fand sich Soulfly-Mastermind Max Cavalera
plötzlich ohne Band wieder: Alle Mitglieder verließen
völlig überraschend die Gruppe und Cavalera,
der lange Jahre seine Brötchen als Shouter von
Sepultura verdiente, stand alleine da. Kurzerhand erklärte
er die Not zur Tugend und ließ verlauten, daß
Soulfly ja ohnehin schon immer als sich wandelndes Projekt
gedacht war, in dem die Musiker ohne Probleme ausgetauscht
werden können.
Schön, glauben wir ihm das mal, schließlich
gab es ja früher schon ein paar Veränderungen
im Line-Up. Die neue Band, die Cavalera zusammengestellt
hat, kann sich so oder so sehen lassen: Joe Nunez, der
Immer-mal-wieder-und-dann-nicht-Drummer der Band, kehrt
zurück, neu dazugestoßen sind Gitarrist Marc
Rizzo (ex-Ill Niño) und Bassist Bobby Burns (früher
bei den unterschätzten Primer 55, heute mit seiner
eigenen Band Beautiful unterwegs).
Und, sapperlot, was die Mannen auf Prophecy, dem mittlerweile
vierten Album der Band, veranstalten, ist ein wahres
Feuerwerk - wobei angesichts der Lautstärke eher
das Wort "Kriegsgewitter" angebracht erscheint.
Knapp an der Dezibel-Untergrenze von Disaster Area bewegt
sich die Gruppe mit fiebrigen, heulenden Gitarren, donnerndem
Bass und einer rhythmischen Intensität, die gerade
auf dem letzten Longplayer der Gruppe abhanden gekommen
war.
Natürlich brüllt sich Cavalera nach wie vor
bis zur Besinnungslosigkeit, und angesichts des barbarisch-primitiv
anmutenden Gröhlens und der eher schlicht gehaltenen
Texte ist immer noch nicht einwandfrei feststellbar,
ob der gute Mann bis drei zählen kann.
Die Musik selbst spricht jedoch eine andere Sprache:
Immer, wenn der Hörer angesichts des Energie-Overkills
zu ermüden droht, wirft Cavalera eine Idee ins
Spiel, die die Platte in eine völlig neue Richtung
bringt. Am deutlichsten ist das auf dem Track "Mars"
zu spüren: Eben noch schreit sich der stramme Max
bis zum Kehlkopfkollaps ("I am Mars, the God of
War!"), dann setzen auf einmal Flamenco-Gitarren
ein, das Stück mutiert zum Latin-Instrumental.
Generell ist die stilistische Bandbreite enorm, breiter
als auf den Vorgängeralben: "Moses" erinnert
mit seiner Reggae-Metal-Kombination an Dub War, aber
auch für ein Helmet-Cover ("In the Meantime")
ist Platz.
Es mag auf Prophecy vielleicht kein Kracher wie "Boom"
zu finden sein, aber die Energie ist stärker als
zuvor - insbesondere nach dem viel zu schweren Vorgänger
3. Schade, dass der Schreihals sich zum Schluß
des Albums im Eklektizismus verliert: Der obligatorische
Entspannungs-Jam "Soulfly IV" ist eher müde,
danach folgt mit "Wings" ein R&B-Soul-Stück,
das wenig bis gar nichts mit Soulfly zu tun hat, und
"March on River Drina" gehört dann mal
wieder in die Kategorie "Bonustracks, die die Welt
nicht braucht".
Fazit: Prophecy ist (bis auf das etwas verwirrende
Ende) wohl das beste Album, das Soulfly - beziehungsweise Max Cavalera - je produziert
haben. #christian genzel |