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Sein oder nicht Sein
7. November 2004
Die Progressiv-Veteranen von "Pain of Salvation"
haben mit "Be" ein Epos geschaffen, das für
Nicht-Hardcore-Fans fast schon zu komplex ist.
Eine Gruppe will mit einem Album Themen wie den Sinn
des Lebens oder den Glauben abhandeln. So unmöglich
diese Aufgabe klingt, so ist es auch für mich,
dieses Album in irgend einer Weise zu bewerten. Darum
werde ich einfach wiedergeben, was ich gehört habe.
Aber erst einmal zur Gruppe selbst: PoS existiert,
seitdem das Mastermind der Gruppe mit 11(!) Jahren die
Band gegründet hat. Seitdem hat sich beim Lineup
und Stil einiges getan. Doch man merkt die Erfahrung,
die die Band besitzt. "Be" wurde anfangs nur
Live vorgeführt und fand jetzt, nach über
einem Jahr Arbeit, den Weg auf CD. Daraus resultiert
wohl auch der Film-/Musical-ähnliche Stil des Werkes.
Es kommt einem so vor, als wären die Jungs von
PoS nicht einfache Musiker, die jeder "nur"
ihr Instrument spielen. Sie sind eher eine Gruppe von
Komponisten. Im Hintergrund ziehen sie die Fäden
der Musik, aber richtig "zu sehen" bekommt
man sie nicht.
Progressiv-Musik ist ja von Haus aus nicht gerade simpel
gestrickt ist, aber dennoch fühle ich mich hier
wie ein Bäcker, der sich mit Nukleartechnik im
Unterwasserbau beschäftigen soll. Doch trotz aller
Komplexität ist es einfach genial. Es gefällt,
auch wenn ich es nicht richtig verstehe.
Daher beschränken wir uns vorerst auf die Fakten:
Das Musical ist in fünf Akte aufgeteilt, die sich
weiter in die eigentlichen Songs unterteilen. Vom Klang
her ist das ungefähr so: Die ersten beiden Teile
von Animae Partus (Deus Nova und Imago) beispielsweise
erinnern ein bisschen an die Intros veschiedener "Ayreon"-Veröffentlichungen,
während der dritte Part (Pluvius Aestivus) Folk-Einflüsse
von "Jethro Tull" und "Fish" (Shadowland)
beinhaltet. Dann wiederum geht es metallisch-progressiv
in Richtung "Dream Theater" zu Werke, um anschließend
eher in atmosphärische und dunklere Töne zu
wechseln. Fast schon psychedelisch wirkt dann wiederum
Dea Pecuniae, das als dritter Teil den zweiten Track
Machinassiah abschließt.
Seid ihr jetzt endgültig verwirrt? Verständlich!
Dann gleich zu den Songnamen: Sie sind alle lateinisch
und teils zimlich lang. Zum Beispiel heißt Lied
Nummer 9 "III Machinageddon - Nemé Ideneus
- Aderal Qui Respenderet: Diffidenta (BREACHING THE
CORE) - EXITUS - DRIFTING II" - um ganz korrekt
zu sein. Dazu kommt noch der Einsatz eines Orchesters,
Geräuschkulissen wie aufheulende Motoren, Sprechgesang
und ein Lied, das nur aus Zitaten von einem Anrufbeantworter
besteht. Der Anrufbeantworter gehört übrigens
Gott ...
Vielleicht versteht ihr jetzt, wieso es so schwer ist,
so etwas zu bewerten. Musikalisch ist es sicherlich
bahnbrechend, Innovationen dieser Art kannte ich bisher
nicht und der Mut und die Selbstsicherheit zu so etwas
ist zu bewundern. Aber es ist sicherlich nicht Jedermanns
(oder -fraus) Sache. Trotzdem muss ich aber jedem raten,
zumindest einmal in "Be" reinzuhören.
Für mich war es ein Erlebnis.
#manfred jansky
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