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Rückwärtsgang
13. April 2006
Statt elektronischer Klänge besinnen sich "Placebo" ihrer
einstigen Wurzeln und liefern mit "Meds" ein knackiges
Rockalbum ab.
„Der Rock'n'Roll-Lifestyle hat uns jung
gehalten, auch wenn er manchmal ziemlich selbstzerstörerisch
sein kann. Und das liegt vermutlich daran, dass er
dich in deinem Herzen und in deiner Einstellung jung
hält. Deshalb stört mich das zunehmende
Alter nicht im geringsten.“
So erklärte Placebo-Leadsänger Brian Molko
unlängst einem deutschen Magazin (IQStyle) seinen
Umgang mit dem Älterwerden. Und genau das merkt
man ihm und seinen Bandkollegen Stefan Olsdal und Steve
Hewitt an. Man ist trotz des elfjährigen Bandbestehens
nicht müde geworden, herumzuexperimentieren. Die
androgyne Lichtgestalt Molko samt Konsorten sind bereits
seit Jahren nicht mehr von den Centerstages der großen
Festivals wegzudenken - und trotzdem haben Sie es
geschafft, nicht komplett im Kommerz
unterzugehen und sich im Kopieren von Altbekanntem
(und natürlich
auch Erfolgreichem) auszuruhen. Es wird stetig weitergesucht
nach der richtigen Dosierung.
Nahezu komplett scheint diese den drei Musikern
auf „Meds“ gelungen
zu sein. Hier wird nichts verschwendet - die Gitarren
kommen klar und deutlich, der Bass gerade und - last
but not least - präsentiert
Molko seine schaurig-schönen
Lyrics in Hochform.
Bereits 2004 verbrachten Placebo Zeit in Südfrankreich,
um an neuen Ideen zu feilen und Texte für „Meds“ zu
schreiben. Anschließend ging es für drei
Monate ins Studio, um mit Producer Dimitri Tikovoi
sowie illustren Gästen wie Michael Stipe (R.E.M.)
und Alison „VV“ Mosshart (The Kills) das
Album aufzunehmen. Letztere verleiht dem wuchtigen
Intro „Meds“ übrigens eine sehr schöne
weibliche Note und gibt gleichzeitig dem Album die
stilistische Richtung vor. Minimalismus strömt
aus allen Lautsprechermembranen, wenn Molko seine
etwas andere Ansicht von Medizin definiert. Emsigen
MTV-Sehern müsste der Abschlusssong „Song
to Say Goodbye“ inklusive
des interessanten Videos ohnehin seit geraumer Zeit
ein Begriff sein. Auch hier wird ein simples Songkonstrukt
mit Placebo-typischem Text aufgezeigt.
FRITZ findet, dass Placebo es mit „Meds“ wieder
einmal geschafft haben zu überraschen - und
dies trotz der Tatsache, dass sie auf dem Album nichts
unmittelbar Neues erfunden haben. Auf jeden Fall eine
runde Sache, die der Band mit Sicherheit - genauso
wie die erfolgreichen Vorgänger - sonnige Zeiten
in den Charts dieser Welt bescheren werden. Ein absolutes
"Muss" für
Fans, ein wohlgemeintes "Soll" für Interessierte
und ein unverbindliches "Kann" für jeden
Anderen.
Placebo live in Österreich: 16. Juni 2006 am
Novarock-Festival www.novarock.at
#günther schmidhuber
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