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Pinzgauer Kleinod
14. Dezember 2005
Die einheimische Band "Mastic Scum" zeigt mit
ihrem neuesten Output "Mind", dass Grindcore
mehr als einen Riff pro Song bieten kann.
Erfrischend bleiern dröhnt das musikalische Pinzgauer
Kleinod aus den Boxen. Schnell macht sich ein
wohliger Entspannungszustand breit und die allerschönsten
Bilder ziehen am Inneren Auge vorbei. Der obligatorische
Bassverstärker
ist dezent aufgedreht, damit sich auch das ansonsten
eher statische Umfeld zum Takt der Musik mitbewegt.
So durch die Schallwellen animiert, hüpft meine
Kaffeetasse fröhlich an mir vorbei. Je nachdem,
ob gerade eine heftige Grindcore-Knüppelpassage
anliegt, oder ein eher ruhigerer Part, kräuseln
sich die Wellen an der Oberfläche des Tasseninhalts
unterschiedlich stark. Ja, man merkt einfach, dass
die Musik von Mastic Scum aus tiefstem Herzen kommt – ihr
aktuelles Werk "Mind" liefert den Beweis.
Die vier sympathischen Künstler aus dem Pinzgau
beschäftigen sich überwiegend mit innovativer
Stromgitarrenmusik. Ihre Hauptschwerpunkte liegen augenscheinlich
auf dem Grindcore und Noise-Sektor. Wenn man kurz einen
Blick auf Ihre Homepage wirft,
wird einem klar warum. Bei drei der vier Musiker wird
als Inspirationsquelle dezitiert Napalm Death angeführt.
Interessantererweise aber auch Bands aus einem völlig
anderen Sektor, wie The Jesus Lizard. Das soll jetzt
keineswegs heissen, Mastic Scum würden sich wie
eine Mischung aus beiden Bands anhören! Aber immerhin
wird dem versierten Leser dadurch klar, dass es sich
bei Mastic Scum um keinen Tokio-Hotel-Verschnitt handelt.
Nun zum Wesentlichen. Ihr neuester Output "Mind" hört
sich sehr stimmig an. Viel Doublebass, viel leicht
heruntergestimmte Gitarren, viel laute Vocals - alles
viel gut! Es wird aber nicht nur das volle "Brett"
geboten, sondern die Songs sind in sich auch recht
abwechlungsreich und strukturiert. Erfreulich, dass
es also auch Grindcore-Bands gibt, die pro Song nicht
nur einen Riff reservieren, der von vorn bis hinten
durchgezogen wird, sondern mehr Vielfalt bieten. Selten
habe ich Grindcore gehört,
der so wie bei "Mind" sehr eingängig
ist, aber trotzdem seine Wurzeln nicht verleugnet.
Zwischen den einzelnen Songs werden zur Auflockerung
gesprochene Textpassagen aus Film und Fernsehen geboten.
So kann man gleich am Anfang des Albums hören: „Seek
not to be like evil men, neither desire to be with
them. Because their mind studieth robberies, and their
lips speak deceits.“ Mit
diesem alttestamentarischen Bibelspruch wollen Mastic
Scum wohl klargestellt haben, dass sie durchaus
auch belesen und fromm sind.
Kurz und gut – die Welt braucht mehr Grindcore-Bands.
Dieses Album gehört unter jeden Weihnachtsbaum!
#erhard furtner
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