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| Limp Bizkit The
Un-questionable Truth (1) |
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Wahrheit tut weh
7. Juni 2005
Nach dem Überflop "Results May
Vary" legen Limp Bizkit nach: "The Unquestionable
Truth (Part 1)" ist besser und trotzdem fürchterlich.
Eines der allerdeutlichsten Zeichen, dass der Nu-Metal
tot ist, war 2003 der Release des Limp-Bizkit-Fiaskos "Results
May Vary". Vorher war ja Gitarrist (und vermutlich
auch das musikalische Gehirn der Band) Wes Borland
ausgestiegen, um mit seinem nie fertig realisierten
Projekt Eat The Day eigene Wege einzuschlagen. LB-Frontmann
Fred Durst verbrachte viel Zeit damit, einen neuen
Gitarristen zu suchen, während er die Aufnahmen
zum Album so oft in die Tonne warf, dass man das Todesröcheln
seiner Gruppe immer lauter wahrnehmen konnte. Was dann
tatsächlich das Licht der Welt erblickte, war
eine breiige Masse, klanggewordener Größenwahn,
der Dursts ziellosem Geheule und seinen paranoiden
Anklagen nicht ein einziges griffiges Riff, nicht eine
kohärente Songidee entgegensetzen konnte. Kommerziell
aufgefangen wurde das Desaster noch vom The-Who-Cover "Behind
Blue Eyes", wo sich Fred in seinem goldenen Käfig
selber sehr leid tat und das letzte bisschen Glaubwürdigkeit
verspielte, dass man ihm vielleicht noch zusprechen
konnte.
Zwei Jahre später scheint die Gruppe derart
orientierungslos zu sein, dass eine schwere Kurskorrektur
verordnet wird. Borland kehrt zu der Gruppe zurück,
dafür wird Schlagzeuger John Otto gegangen. Und
beinahe völlig unbeachtet von den Medien steht
plötzlich eine neue CD im Laden, deren Titel ein
Konzeptalbum vermuten lässt: "The Unquestionable
Truth (Part 1)". Ja, das Album ist besser als "Results
May Vary", aber das besagt nicht viel.
Musikalisch scheint man sich für das sehr zahnlose "Behind
Blue Eyes" entschuldigen zu wollen. Das Album
ist heavy, roh, ungeschliffen, sehr sperrig – ach
ja, und außerdem ein unglaubliches Rage-Against-The-Machine-Plagiat,
das exakt den Sound dieser Gruppe zu kopieren sucht
und dabei klingt wie gewollt und nicht gekonnt. Sicher,
die Band ist tight, wie man auf neudeutsch so schön
sagt, aber dabei schlichtweg unattraktiv und austauschbar.
Wer Borland bislang für den kreativen Genius hinter
Limp Bizkit hielt, mag sich vielleicht angesichts dieser
Richtungslosigkeit noch mal Gedanken machen.
Und dann ist da noch Fred Durst. Natürlich versucht
er so zu klingen wie Zack De La Rocha, und natürlich
scheitert er. Er konzentriert sich hier hauptsächlich
auf Sprechgesang, aber er jammert, keucht, quietscht,
winselt, quäkt und quält sich (und uns) so
fürchterlich durch die Songs, dass man sich immer
nur wünscht, er würde endlich die Klappe
halten. Den Vogel schießen natürlich wieder
seine Texte ab, in denen er über Gott und die
Welt schimpft und dabei in völliger Ignoranz seiner
eigenen Person bleibt: Er mag Radio und Fernsehen nicht,
weil die ja nur Mist spielen. Er schüttelt den
Kopf über "rappers that can't rap anymore".
Er fragt "who is phony and fading slowly?".
Und natürlich ist wieder einmal die ganze Welt
schuld an seinem Unglück, und keiner versteht
ihn.
Abgeschlossen wird das Album, das übrigens sagenhafte
29 Minuten lang ist, von einer Art Ballade – die
Art Song, die man schreibt, wenn man 17 ist. Durst
versucht hier, zu singen, und wenn die Stimme dann
beim Oktavenwechsel aufzugeben scheint, tut er einem
wirklich fast leid. Da sieht man vor dem geistigen
Auge nämlich Fred Durst in ein paar Jahren zusammen
mit Vanilla Ice oder einem beliebigen anderen Gescheiterten
bei irgendeiner Comeback-Show auftreten.
rschreckend ist freilich, dass uns der Albumtitel einen
zweiten Teil von diesem Rumpelkammer-Schlonz androht.
Es bleibt spannend, wie weit Durst sich in seinem Irrsinn
noch verlaufen kann.
#chrisitan genzel
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