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| Lacuna Coil Karmacode
(Century Media, 2006) |
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Gutes Karma
11. Mai 2006
NuGothic und trotzdem gut: Die Italiener "Lacuna
Coil" überzeugen
mit Karmacode sogar sehr misstrauische Rezensenten.
Akutes Problem: Man nimmt sich vor, anlässlich
des neuen Albums von "Lacuna Coil" sehr herablassende
Absätze über
die durch die unappetitlichen "Evanescence" hervorgerufene
NuGothic-Präsenz zu schreiben, die seit den obszön
großen Verkaufszahlen letzterer Gruppe die Läden
mit alteingesessenem und neu zusammengekochtem Düstermetall
füllt. Schließlich muß ja nicht jede
Combo, die ihr Waldschratdasein durch das Vorschieben
einer mehr oder minder feschen Schwarzhaarigen zu verbergen
versucht, in all ihrem üblicherweise prätentiösen
Unglanz auf Silberscheiben gepreßt werden.
Das Problem, das sich gerade offenbart, ist aber
die Tatsache, daß Karmacode, eben jenes neueste
Erzeugnis aus der Musikschmiede der Italiener Lacuna
Coil, sich so geschickt den gängigen Klischees
der übrigen Sirenengesang-im-steifen-Todeskorsett-Metalgruppen
entgegenstellt, daß die CD nicht mal dann schlecht
klingt, wenn man sie fürchterlich finden möchte.
Das ist schade für misanthrope Rezensenten, die
eigentlich lieber granteln möchten, aber durchaus
angenehm für jeden anderen Hörer.
Natürlich werden gewisse Regeln des Goth-Genres
eingehalten: Damit die Frauenstimme den düster
intendierten Sound nicht zu lieblich klingen läßt,
krächzt ja stets ein entbehrlicher Kerl als Kontrast
mit. Auch "Lacuna Coil" haben eine Männerstimme,
die sich aber freundlicherweise nicht im grunzenden
Krümelmonster-Rachentod ergeht, sondern tatsächlich
auch mitunter singend zu hören ist und eher die
klangliche Palette erweitert, als einfach nur an einen
HNO-Arztbesuch denken zu lassen.
Menschen, die sich weitaus zeitaufwendiger mit den
Feinheiten der gesamten Goth-Szene auskennen, wurden
schon im Internet dabei gesichtet, wie ihnen ob der
Korn-Elemente auf Karmacode die Halsschlagader anschwillt,
weil ein solcher Einfluss keineswegs "true" sein
könnte und überhaupt an den Ausverkauf denken
läßt. Möglicherweise handelt es sich
aber auch um noch schlechter gelaunte Möchtegernkritiker,
denen der Gedanke nicht behagt, daß die vorliegende
CD anderen Hörern aufgrund ihrer feinen Melodien
und der treibenden, basslastigen Rhythmik eventuell
sogar gefallen könnte. "Zugänglich" bedeutet
eben nicht "Ausverkauf", und "anhörbar" auch
nicht "Korn-Einfluss". Sprache kann
manchmal sehr verwirrend sein.
Produziert wurde das flott ins Ohr gehende und erfreulich
unprätentiöse Werk übrigens von Grip,
Inc.-Gitarrero Waldemar Sorychta (hier
geht's zum Interview).
Und während
die Band prägnante
Songs schreibt und mit – ein schönes Wort
kommt jetzt – Verve spielt, sorgt Sorychta dafür,
daß die Ideen auch gebündelt und mit Wohlklang
zu Band gebracht wurden.
Bleibt uns nur noch, eine Empfehlung auszusprechen – selbst,
wenn man mit Nightwish, Within Temptation, The Sins
of Thy Beloved und den ganzen anderen Goth-Gruppen
eigentlich gar nichts anfangen kann. Aber – wer
lästert jetzt über "Evanescence"?
#christian genzel
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