|
Aufgeweckt
14. Oktober 2005
Die Waliserin "Jem" schmeichelt auf ihrem
Debütalbum "Finally Woken" dem Hörer
mit sanften Melodien und knackigen Samples.
Manche Menschen haben ja keinen Nachnamen. Den brauchen
sie nämlich gar nicht, oder nicht mehr, weil sie
so omnipräsent sind, dass man mit diesem einen
Namen ohnehin keine andere Person meinen könnte.
Madonna gehört dazu, Björk auch. Oder Prince,
zumindest in den Zeiträumen, in denen er sich
selbst so nennt. Und vermutlich hofft auch Jem auf
eben diesen Effekt: Weg ist der für Nicht-Muttersprachler
ohnehin sperrige Nachname Griffiths, und wenn uns die
Waliserin in den kommenden Jahren weiterhin mit so
feiner Musik wie auf dem vorliegenden Debütalbum
beglückt, wird auch was draus.
Was kann man sich also unter der Musik von Jem vorstellen?
Ganz einfach: Es klingt wie Dido, nur gut. Nicht so
nach eingeschlafenen Füßen, nicht so unattraktiv
wie ein Kaffeetischchen von IKEA. Während Jems
Stimme durchaus Wohlklang verbreitet und sanft und
melodiös durch die Songs gleitet, ist die zugrunde
liegende Musik zwar nicht sperrig, aber spannend: Da
sind dramatische Streicher und E-Gitarren zu hören
("24"), Ohrwurm-Samples von den Swingle Singers
("They"), gemütliche Akustikgitarren
("Just a Ride"), Erinnerungen an den Pop
der 60er ("Wish I"). Darunter Beats und Grooves,
die der Engländer wohl als "crisp" bezeichnen
würde, und eine glasklare Produktion.
Das geht alles glatt ins Ohr und bleibt auch drin:
Schon beim zweiten Anhören erkennt man Songs und
Melodien wieder, ab dem dritten Mal wird mitgesummt.
Da stört es dann auch nicht so, dass im hinteren
Drittel der CD die Songs nicht mehr ganz so stark sind
wie vorne, und dass dann vielleicht eine Ballade zuviel
angehängt ist. Denn schlecht sind die einzelnen
Tracks nie, und mit 41 Minuten Spielzeit bleibt Jem
auch nicht länger, als wir sie wollen. Ausdrückliche
Kaufempfehlung.
#christian genzel
|