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Musikalischer Schmelztiegel
14. September 2004
Max Herre fühlt sich nach eigenen Angaben wieder
wie ein "Youngblood": Jetzt tobt sich der
Stuttgarter MC auf seinem ersten Solo-Album aus.
Nach der Vorabsingle "Zu Elektrisch", dem
ersten Lebenszeichen seit fünf Jahren, schickt
Max Herre nun endlich sein Debüt-Album ins Rennen.
Der 31-jährige Frontman vom "Freundeskreis"
hat sich längst als ernst zu nehmender Bestandteil
des deutschen Rap etabliert: Die "Quadratur des
Kreises", das erfolgreiche Debüt des Stuttgarter
"Freundeskreis", zeugte von hohem textlichem
Niveau, politischem Interesse und einem außergewöhnlichen
Stil, der so in Deutschland neu war.
Nach zeitlosen Burnern wie "Tabula Rasa"
und "Leg Dein Ohr Auf Die Schiene Der Geschichte"
erschien das zweite Freundeskreis-Album "Esperanto"
und knüpfte dort an, wo der Vorgänger endete.
Man blieb zwar dem altbewährten Muster weitgehend
treu, die Lyrics und der Sound klangen jedoch reifer:
Das musikalische Gespann experimentierte mit verschiedensten
Instrumenten und verabschiedete sich von den strikten
Prinzipien des Deutsch-Rap.
"Mit Dir", ein wunderbares Duett von Max
und seiner Frau Joy Denalane, ersetzte "A.N.N.A".
Sanfte Reggae-Töne in "Halt Dich An Deiner
Liebe Fest" zeigten eindrucksvoll die Bandbreite
der Band auf.
Max Herre geht noch einen Schritt weiter: Jeder der
acht Songs spiegelt die vielen musikalischen Einflüsse,
von denen sich der Four-Music-Künstler inspirieren
lässt, wieder. Älter und reifer, ruhiger und
aufgeschlossener - so wirkt Herre, wenn er Rock, Reggae,
Hip-Hop und Soul zu einem chilligen Mix vermischt. Ob
dieser musikalische Schmelztiegel eingefleischten Hip-Hoppern
zusagt, bleibt dahin gestellt.
Beim Hören der Scheibe entsteht der Eindruck,
als könne der Rapper jetzt ohne Druck und gelassener
Musik machen; Der einzige Battletrack und gleichermaßen
die erste Auskoppelung des Albums, "Zu Elektrisch",
vermittelt einen falschen Eindruck: Ob langsame, nur
mit Gitarre begleitete Stücke, oder herzhafter
Roots-Reggae - das zentrale Thema der Platte ist die
Liebe. Battle, Beef und Posing bleiben aus. Statt dessen
finden sich Liebesgeständnisse in "Wie Du
Bist", Liebeskummer in "Du Weißt"
und die Liebe zu Stuttgart in "1ste Liebe".
Auch die Story zu "A.N.N.A", der erfolgreichsten
Auskoppelung aus der "Quadratur des Kreises",
wird fortgesetzt: Acht Jahre nachdem Max die Liebeshymne
geschrieben hat, greift er nun das Thema neu auf - die
Erwartungen bleiben hier jedoch unerfüllt.
Fazit: Ein starker Auftakt mit kräftigen Zeilen.
Potentielle Käufer sollten sich aber die Zeit nehmen,
kurz reinzuhören, um Überraschungen vorzubeugen.
#stephan kliemstein
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