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CD-Tipp: Finkenauer - Pascal Finekauer - Review
Finkenauer Finkenauer (KiddoRecords 2004)  
 

INTERNET
www.pascal finkenauer.com
Offizielle Site von Finkenauer.

 
 

Poesie kommt solo
6. Oktober 2004

Der Sänger von JAW fühlt sich zu musikuntermalten Gedichten berufen, die sich jenseits von jedweder Stilfindung zu behaupten versuchen.

"Ich sehe mich stehen an einem schmalen Rand . . ." - Mit diesem Zitat des Poeten Finkenauer ist eigentlich alles gesagt. Der frühere Sänger der deutschen Elektronikgruppe "JAW", später umbenannt in "The Black Cherries", wandelt auf seinem Solo-Erstling noch etwas unsicher zwischen Pop (und Ablegern), Elektronik, Hip-Hop und Songwriterstil. Kann man das diesmal noch als Geburtsschwierigkeiten gelten lassen, so hat er beim nächsten Longplayer hoffentlich sein Metier gefunden.

Der optische Ersteindruck vermittelt auf dem Cover einen Bohemien, der melancholisch auf den Seiten des Begleitheftes herumgeistert, wohingegen der akustische Eindruck leicht erstaunen lässt. Hat da etwa wer von den Sportfreunden geklaut? Nein, denn nicht einmal die wären imstande, derart unbeugsam den Taktschlag zu hämmern. Dann - animalische Schreie und eine Keyboard-Rockorgel. Und wenn unser Künstler dann rebellisch und unrhythmisch gegen den Schlag textet, merkt man sich die Botschaft noch viel besser: "Wir schreiben die Gedichte neu".

Die Liedtexte sind sowieso ein Kapitel für sich. Ist das nun Musik mit großteils ungewohnt starken und aussagekräftigen Texten oder ein Gedichtevortrag mit Musik als Beilage? In den Texten und deren Ausführung liegt nämlich Finkenauers wahre Stärke. Verschwenderisch verstreut liegen da die vielen Textzeilen jungfräulich brach und einmal fährt er mit eiskaltem Staccato, einmal mit dem Falsett eines Justin Timberlake ("feuer") oder auch mit eindringlichem Sprechgesang à la Peter Heppner von Wolfsheim darüber. Aber Pascal Finkenauer kann auch singen! Manchmal hört man den schon etwas in die Jahre gekommenen Grönemeyer durch - wie in der balladesken Singleaus-koppelung "völlig egal".

Bei der Melodieführung hüpft unser Arrangeur mit Hilfe von Mischer Götz Botzenhardt (u.a. bei Faithless tätig) zwischen Flamenco-Verschnitt ("feuer"), übersüßem Pianospiel ("danke"), Musicalversuch nach Sylvester Levay ("wind rückwärts drehen"), ernsterem Hip-Hop ("im park"), sangbarer Elegie wie bei den Prinzen ("wieder mal") und Pseudo-Reggae à la Gentleman herum.

Aber er macht das nicht ungeschickt. Instrumentatorisch hat Finkenauer ungeachtet seines angeblichen Dilettantismus nette Arrangements gefunden. Manche Synthesizerstreicherklänge lassen wahrlich Stimmung aufkommen, und wenn man neben entspanntem Hören auch die Songtexte mitverfolgt, entdeckt man interessante deutsche Musik auch neben und zwischen Juli, Sido, Gentleman und diversen anderen gehypten Popgrößen. Und die frohe Botschaft am Schluss: Man darf weiter hoffen, denn "man lernt aus seinen fehlern" ("im park").

#valentin schwarz

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