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Archetypische Angst
5. Mai 2004
Kurz aufgelöst, gleich wieder zusammen: Fear
Factory legen nach kurzer Trennungspause mit Archetype
ein Album vor, das eine Rückkehr zu alten Glanztaten
einläuten soll.
Ein neues Album von Fear Factory in den Händen
zu halten, mag dem einen oder anderen Rezensenten ein
irritiertes Augenbrauenheben entlocken. Haben sich die
Burschen nicht eigentlich letztes Jahr wild zerstritten
und dann getrennt? Hat nicht das wohl arroganteste deutschsprachige
Musikmagazin damals in einem Nachruf beteuert, wie gut
es doch wäre, daß die Gruppe sich nach ihrem
für viele enttäuschenden letzten Album Digimortal
trennt, weil sie ja angeblich eh schon ausgebrannt waren?
Nun, wir sind damals keiner Fehlmeldung aufgesessen.
Aber kurz nachdem sie sich aufgelöst haben, hat
die Kerntruppe festgestellt, daß sie ohne Gitarrist
Dino Cazares eigentlich wundervoll miteinander auskommen.
Prompt stiegt Bassist Christian Olde Wolbers in der
Gilde der Furchtfabrik ein paar Level auf und wechselte
zur Gitarre, und zusammen mit einem neuen Bassisten
haben sich die Mannen flugs wieder zusammengetan, um
ein neues Album unter der Flagge von Fear Factory aufzunehmen:
Archetype.
Der Titel ist passend gewählt, schließlich
sind Fear Factory sozusagen der Archetypus des modernen
Heavy Metals: Gesang und Geschrei, Death-Metal-Blasts
und Melodien, kreischende Gitarren und Elektronikparts.
Und um zu zeigen, daß sie diese Art Musik schon
viel länger als ihre Konsorten machen, gestalten
die Jungs das neue Album als rückwärtsgerichtetes
Retrounterfangen, welches die Band zu ihren Wurzeln
zurückbringen soll.
Operation gelungen, Rezensent schläft? Nein, das
kann man nicht wirklich behaupten. Fear Factory knüppeln
mit so viel Verve wie schon lange nicht mehr, die Musik
ist zackig und energiegeladen. Highlights sind das kantige
"Cyberwaste" (über Leute, die Unsinn
im Internet verbreiten - hoffentlich meinen die nicht
mich), das eiskalte "Drones" und die Gitarren-Breitleinwand
"Undercurrent". Leider Gottes bedeutet die
Rückkehr zur alten Form auch, daß Archetype
nichts bietet, was fürchterlich originell wäre:
Wie beim letzten Korn-Album ist die Musik definitiv
auf Nummer Sicher gestaltet.
Aber halb so tragisch - Fear Factory machen Industrial-Death-Metal
auf hohem Niveau, schreiben gute Songs und wissen immer
noch, wie man das Haus rockt. Vielleicht blicken sie
ja beim nächsten Mal wieder ein wenig über
ihren Tellerrand. Einstweilen gibt es bei uns in Kürze
ein Interview
mit Christian Olde Wolbers zu lesen, in dem der
Jetzt-Gitarrist wissenswertes über die Band und
das neue Album erzählt.
#christian genzel
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