|
Raketenritt
1. Februar 2006
Die deutschen Metaller von Edguy bringen nach
dem Meilenstein "Hellfire Club" von 2004 nun endlich
wieder ein (ganzes) Album auf den Markt. Der Titel:
"Rocket Ride".
Für die Einen lächerlich, für die
Anderen einfach genial: Edguy nehmen sich selbst und
ihren Lebenstil als Vorzeige-Poser nicht ganz so ernst.
Doch wenn es um ihre Musik geht, dann kennen sie kein
Pardon. Durch diese Mischung ergibt sich das Verückteste
und gleichzeitig Hochkarätigste, was der deutsche
Metal zu bieten hat. Ihre neun erfolgreichen Alben
und die Fans geben der Band dabei recht.
Für Edguy mittlerweile Standard: Eine EP vor
dem eigentlichen Album. Man könnte jetzt denken
"alles nur Kommerz!". Doch weit gefehlt - denn die
vor kurzem erschienene Scheibe "Superheroes" hatte
mit ihren sechs brandneuen Liedern zum Single-Preis
einiges zu bieten. Doch nun ist es richtig ernst:
Seit Ende Jänner ist das neue Album Rocket
Ride auf dem Markt.
Der Opener des Albums, "Sacrifice", ist mit acht Minuten
der sogleich längste Track der Scheibe. Das Lied
ist vielleicht nicht ganz so gut platziert, aber trotzdem
exzellent. Der Song fängt zwar mit Pianomusik
ruhig an, er geht dann jedoch schnell in einen melodisch-harten
Metal-Kracher über. Es ist übrigens auch der einzige
Song mit Einspielungen von einem Orchester.
Der Titeltrack "Rocket Ride" rockt in klassischer
Power-Metal-Manier und glänzt - wie fast alle
Lieder - durch einen Hammer-Refrain.
Nummer drei auf der CD nennt sich "Wasted Time". Ein
toller Mid-Tempo-Song und sicher einer der besten am
Album. Super Strophen, süchtig machender Refrain
und großartige Lyrics - wieder einmal über
eine fehlgeschlagene Beziehung.
"Matrix" wiederum ist ein
wenig langsamerer Song. Das Highlight ist hier das
Keyboard. Passend auch der Anschluss an "Wasted Time":
Es geht wieder um gebrochene Herzen.
"Return to the Tribe" ist wohl eher eine Rückkehr
zu alten Edguy-Tagen. Es ist der einzig echt klassische
Edguy-Track. Mehr als gute Erinnerungen an alte Zeiten
hervorzurufen schafft dieses Lied wohl kaum.
Noch einmal wird es ruhig für "The Asylum". Der
zweitlängste Song beginnt mit einem verträumten
Akustikteil, um sich danach in ein melodisches Metal-Monster
zu verwandeln. Die Melodien sind einfach herrlich -
und der Chorus sogar noch besser. Die hervorragenden
Gitarrensolos machen "The Asylum" zum wahrscheinlich
besten Stück des
Albums.
"Save Me" ist die einzige Ballade.
Sicher - ein wenig poppig klingt es schon. Doch stört
das, wenn es trotzdem einfach genial ist? Und das ist
es vor allem wegen der fantastischen
Stimme
des Sängers Tobias Sammet.
In "Catch Of The Century" geht's darum, was Frauen
alles verpassen, wenn sie uns einen Korb geben. In
typischer Edguy-Manier ist dieses Lied
einfach unglaublich rockig - und vor allem spaßig.
Am Ende gibt sich Tobi noch ein 30 Sekunden langes
"Vocal Solo", bei dem er in Selbstverliebtheit
versinkt. Wer dann noch immer nicht lacht, hat
einfach keinen Humor.
Bevor man sich wieder einkriegt kommt mit "Out
Of Vogue" ein Lied, das dem Titeltrack sehr ähnlich
ist.
"Superheroes" kennt man als einzigen Song schon
von der EP. Ein einfacher "gestrickter" Ohrwurm Hit,
der aber jetzt schon Kult ist.
An vorletzter Stelle steht "Trinidad". Ein unbeschwert
fröhlicher Trip in die Südsee. Wieder einmal
tolle Melodien und Refrains - auch wenn das Lied
wohl nicht viel mit Metal zu tun hat.
Mit den Gedanken noch am Strand liegend, weckt einen
"Fucking with Fire" (Hair Force One) aus den Träumen. Überflüssig
hier viel zu erklären. Der Song ist der passende
Nachfolger zum albernen 2004er-Fun-Lied "Lavatory Love
Machine". Hier zeigt sich wieder einmal, worauf es
Edguy bei ihre Musik wirklich ankommt: Spaß.
Nach diesem Album hat man wirklich einen Raketenritt
hinter sich. Von durchdachten Metal-Epen über
Herz zerreißende Balladen bis zu wahnwitzigen Funsongs
wird alles geboten. Wer sich da kein Ticket zum Rocket
Ride - das Album und/oder die kommende Tour -
bucht, ist selber schuld.
#manfred jansky
|