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| Days In Grief Behind
The Curtain Of A Modern Tomorrow |
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Trauertage
18. Oktober 2005
Punk Made in Germany: Mit "Days In Grief" die
schönsten Trauertage des Jahres erleben.
Schauertage sind Trauertage. Und weil uns der Sommer
in diesem Jahr wieder einmal so richtig hängen
ließ, hilft nur noch eins: Feuer mit Feuer, beziehungsweise
Kälte mit Kälte bekämpfen.
Der Schlechtwetter-Tipp: das aktuelle Album des Kölner-Hardcore-Quartetts "Days
In Grief" (DIG bedeutet übersetzt "Trauertage")
in den CD-Player legen und fühlen wie "Behind
The Curtain Of A Modern Tomorrow" das Punkherz mit
neuer Wärme und Lebensqualität – gerade
weil es so herrlich traurig, emotional und kalt ist – erfüllt.
Nach ihrem Debüt "Portrait of Beauty" feierte
sie die Presse als die größte Hardcore-Hoffnung
Deutschlands. Während junge Bands diesem Druck
oft nicht gewachsen sind und zu schnell zu halbherzig
aufgenommenes Material nachliefern, bewahren DIG ihr
Können: Zwar erscheint der Nachfolger nur ein
knappes Jahr nach ihrem Debüt, qualitative Einbußen
sind dennoch nicht feststellbar. Aggressiv geht es
los, aggressiv geht es zu Ende. Zwischendurch beruhigen
melancholische und melodiöse Passagen, die urplötzlich
von emotionsgeladenen Ausbrüchen unterbrochen
werden.
Ihr feinfühliges Händchen, das zeitweise
zur geballten Faust wird, zeigen die vier "Kölschen
Jungs" in dem grandiosen Track "Political
Correctness": Immer wieder schleicht sich der
Klang eines Pianos ganz unterschwellig unter die sonst
so rauen Töne und lässt den Titel besonders
gekonnt ausklingen. Bei "Jihad" versucht
man etwas bemüht provokant zu wirken. Oberflächige
Ansichten und politischer Informationsmangel haben
in einem Punksong wirklich nichts verloren, wie ich
finde. Der "Heilige Krieg" ist dennoch,
rein musikalisch gesehen, top.
"Behind The Curtain Of A Modern Tomorrow" ist
eines jener seltenen Alben die rundum überzeugen.
Als Ganzes ergeben die Songs eine sehr stimmige und
zusammenhängende
Einheit, voll von abwechslungsreichen und ungewöhnlichen
Melodien, die nahtlos ineinander übergehen. Darüber
hinaus erweist sich jeder einzelne der insgesamt 13
Tracks als echter Kracher – die richtige Song-Auswahl
für die Zusammenstellung eines Tapes (für
alle Jüngeren, die diesen Tonträger nicht
mehr kennen: "High Fidelity" lesen!) fällt
angesichts der Vielzahl an guten Stücken definitiv
schwer.
Fazit: Der DIG-Sound, irgendwo zwischen Emo-, Hard-
und Metalcore angesiedelt, eignet sich bestens als
Selbsttherapie in regnerischen Zeiten und rockt jede
Sekunde. Dass es sich hier um eine deutsche Band
handelt wird den wenigsten auffallen – also Vorurteile
ablegen und die Scheibe kaufen.
#stephan kliemstein
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