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Neo-Prog aus Carinthia
3. März 2005

Das österreichische Trio "Cleave" ist mit prominenter Unterstützung im Schlepptau auf dem Weg nach Amerika.

Da Österreich außer ein paar Wiener Hip-Hop- und Elektronik-Größ(ch)en nicht gerade überragend viel auf dem populären Musiksektor zu bieten hat, fühlen sich diesmal drei Kärntner Burschen dazu befähigt, die harte Erde des Musikbusiness kräftig aufzuwühlen. In Eigenregie produzierten Edler (Bass & Piano), Schatz (Drums & Computer) und Ploesch (Gitarre & Gesang) jetzt ihre erste LP und schon ist ein Produzent wie Mark S. Berry (u. a. für David Bowie und Duran Duran tätig) damit beschäftigt, die Platte dieser Band nach Amerika zu transferieren und natürlich gleichzeitig an dieser frischen Beute ordentlich mitzunaschen.

Weil auch das heimische Radio "Soundportal" und eine spanische Alternative-Sampler-Agentur Interesse am Projekt "Cleave" bekundet haben, sollten wohl auch oftmalig enttäuschte Indiehörer den Blick auf heimatliche Gefilde werfen, wo sich etwas im Sumpfe regt. Szene-Insider dürften schon mit den zwei bisher erschienenen EPs von "Cleave" vertraut sein, doch das Hauptaugenmerk liegt natürlich auf der Bewährungsprobe, dem ersten Album.

Und wenn auch der Wille mehr zählt als das Erreichte, so darf man sich dennoch nicht nur hinter hohlen Phrasen à la Revolution der Musikkultur etc. verstecken, sondern muss auch ehrliche Eigenleistung in Form von starken Songs vorweisen, und die gehen eben meist nicht so leicht von den Händen wie schlaue Sprüche von den Lippen.

Zumindest der optische Teil der Platte lässt das Trio einen gewaltigen Pluspunkt einheimsen und das höchst grazile Design lässt auf ebensolche Musik hoffen.

Doch nun zum Wesentlichen: zur Musik. Lauscht man dem Opener "Unify It" und dessen anfänglichem Pianospiel, glaubt man kaum, dass sich da gerade eine Rock-Platte im Gehörgang einnistet, doch wir befinden uns ja - zumindest auditiv - im Prog-Rock, und hier sind solche Spielereien durchaus erlaubt. Außerdem folgt bald darauf sowieso - nach einem etwas lieblosen Übergang - ein recht humoreskes Riff, welches fast im Bereich des Fun-Punks einzuordnen ist, unisono gespielt von Gitarre und Bass frei nach "Rage Against The Machine".

So stellen einigermaßen ruhige und einigermaßen laute Songteile den Großteil des Albums. Aber eben alles nur in Maßen. Weder allzu säuselnde, romantisierende, noch wirklich harte, rockige Stellen fanden Eingang in die 14 Songs (inkl. Bonustrack). Und während Ersteres leicht verschmerzbar wäre, vermisst man doch unter die Haut gehende "Kracher", vor allem im vokalen Bereich. Obwohl unser Sänger ein recht annehmbares Timbre hat und ganz anständig ins Falsett gleiten kann, sind die langgezogenen Töne etwas schwer einzuordnen, was die Eingängigkeit und die gleichzeitige Mitsingbarkeit nicht gerade erleichtert. Und auf Dauer zieht dies gewisse Ermüdungserscheinungen nach sich, da die Intensität von z.B. Radiohead (noch) nicht erreicht wird.

Leider erlebt man auch in der Harmonik zu wenig Überraschungen. In den Mainstream eingegangene Akkordfolgen à la Creed, Muse und Konsorten wechseln mit der anfänglich tatsächlich etwas befremdlichen, doch sicherlich bewusst eingesetzten Aura des sorgsam angepassten Indie-Kleids, welches durch recht sparsam eingesetzte Streicher, Saxophon und Beatbox noch etwas aufgebauscht wird.

Abschließend wäre es Cleave nun anzuraten, Entscheidungen zu fällen. Gehen sie ganz in den Alternative-Bereich oder werden sie nur eine weitere Mainstreamband? Werden sie ruhig und leise (wie im speziell zu erwähnenden, herausragenden Song "Metamorphosis II"), oder versuchen sie den gegenteiligen Weg einzuschlagen und wie viele andere Bands durch Lautstärke zu ersetzen, was an Kreativität und Eigenständigkeit fehlt? Dieses Schicksal wäre ihnen aber nicht zu wünschen, denn mit ihrem Geschick und Willen könnte noch Großes entstehen - einzig an der Ausführung happert es noch.

Also wird man auf die große Revolution aus der österreichischen Rock-Szene wohl noch warten müssen - doch auch bescheidene Revolten können mehr bewegen als man glaubt . . .

#valentin schwarz

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