 |
 |
| Cadaveres De Tortugas Versus |
|
 |
 |
|
|
|
 |
 |
Harakiri Light
30. Juni 2005
Tribal-Metal, der es dann doch nicht
so richtig unter die Haut schafft: "Cadaveres
de Tortugas" liefern
mit "Versus“ ihr fünftes Studioalbum
ab.
Tribalmetal, [Treiblmetl] der (m); Von Max
Cavalera, dem ehemaligen Frontmann von "Sepultura“ und
jetzigem Bandleader von "Soulfly“ (siehe
FRITZ-Interview)
, mehr oder minder im Alleingang publik gemachte Eigenart
des Thrash Metals. Durch den gezielten Einsatz von
primitiven Trommeln bekommt die Musik einen sehr rohen,
ursprünglichen Charakter. Großteils soll
durch die Verwendung dieser Urvölker-Instrumente
der Unterschied zwischen der sehr einfachen Lebensweise
dieser Menschen und der allgegenwärtigen hochtechnisierten
Welt aufgezeigt werden. Textlich befasst sich diese
Musik vorrangig mit sozialen Brennpunkten und Missständen.
"Sepultura“ scheinen Péter Körmöczi,
Szabolcs Viniczai, Gábor Persoczki und Péter
Kecskés von "Cadaveres de Tortugas“ tatsächlich
mächtig beeindruckt zu haben. Etwas melodiöser
und gesangsbetonter als die brasilianische Kombo und
etwas braver und zivilisierter sind sie dann aber doch.
Leider. An Assoziationen kommen neben "Sepultura/Soulfly“ sofort "Clawfingers"
"Use our brain“ und "Ill Nino“ mit "Revolution
Revolucion“ in mir hoch. Diese drei stilistisch
wild gemischt - und fertig ist "Versus“.
Wie auf dem Cover bereits angekündigt sind auch
asiatische Einflüsse mit im Spiel, das Intro könnte
problemlos eine Bruce Lee-Kampfszene einleiten. Die
knochentrockenen Riffs klingen wütend und hungrig,
werden aber leider oftmals von unpassenden, verstaubt
klingenden Sprechgesangseinlagen abgelöst. Die
in Englisch/Spanisch geshouteten Texte handeln - ganz
genretypisch - von Fehlern im sozialen System, der
Falschheit der Menschen und inneren Konflikten.
Nach dem plötzlichen Tod des Gründungsmitgliedes
Tibor Zsombok Jr. durch einen Autounfall im Jahr 1999
war das CDT-Bandgefüge mächtig ins Wanken
zu geraten. Erst nach wochenlangen Überlegungen
entschlossen sich die anderen drei Mitglieder zum Weiterzumachen
und fanden mit Péter Kecskés auch schnell
jemanden, der das ungarische Quartett wieder komplettierte.
Seitdem sind sie aus der ungarischen Metal-Szene nicht
mehr wegzudenken.
Fazit: 45 Minuten harte Riffs, Double-Bass-Drums
und apokalyptisches Gebrüll. Die letzten vier
Minuten wurden noch für eine Weichspüler-Ballade
verwendet, die man sich getrost hätte sparen können.
Wer so richtig Lust auf moshen und herumgrölen
hat, dem sei der Auftritt der vier am ungarischen Sziget-Festival
empfohlen. Allerdings sind Soulfly wohlgemerkt zu der
Zeit ja auch auf Europa-Tour.
FRITZ gibt "Cadaveres de Tortugas“ für "Versus“ 7
von 10 nicht ganz scharf geschliffenen Samuraischwertern.
#günther schmidhuber
|