|
Bronx ist nicht gleich Bronx
21. Jänner 2003
Wegen ihres Bandnamens siedelt man The Bronx
vorschnell im HipHop-Sektor an. Ein Trugschluss. Denn
was das Viergespann aus L.A. abliefert, ist feinster
Punk.
2002 spielen The Bronx ihre erste Show
in Los Angeles. Das Rolling Stone Magazine ist begeistert,
die Labels liebäugeln.
Ihr Debüt The Bronx (sehr kreativ!)
erschien auf Wichita Records und fand erst in V2 Music
einen Ableger für unseren Markt. Darum die leichte
Verspätung. Erfahrungen schöpften sie beim
Touren mit Größen wie Turbonegro
und The Distillers.
Der ungestüme und raue Sound der Punker ist unverwechselbar.
Mit The Hives verglichen zu werden ist zweifelsohne
ein Kompliment das wird der Gruppe aber nicht
gerecht. Schwer lassen sie sich kategorisieren: Punk,
Hardcore und unterschwellige Melodien verdichten sich
hier zu einem Element. The Bronx explodieren
förmlich vor Energie und müssen ein unvergessliches
Bühnen-Erlebnis sein.
Ihr Album gibt darauf einen Vorgeschmack: Die elf Titel
entstanden zum größten Teil bei nächtlichen
Live-Sessions mit minimalen technischen Equipment und
ohne Kopfhörer. Das Resultat sind Aufnahmen mit
kleinen Fehlern und leicht verstimmten Instrumenten.
Ford, Tweedy, Caughthran und Vic schwören darauf
und lieben es, Musik aus dem Bauch heraus zu machen.
Ungeschliffen, dreckig dafür echt. Ihr erstes
Album beginnt rasend schnell und geht auch temporeich
zu Ende. Trostlose Texte, durch das Leben in L. A. geprägt,
speedige Drums und Gitarren, begleitet von aggressiv-tristem
Schreien: The Bronx werden auch in Zukunft
von sich hören lassen. Das müssen sie auch,
denn diese großartige Scheibe ist leider etwas
kurz geraten. Eine musikalische Achterbahnfahrt die
zum Mitgrölen einlädt.
#stephan kliemstein
|