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| Boysetsfire The
Misery Index: Notes From The Plague Years |
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Phönixasche
24. März 2006
Eine der anspruchsvoll-sten und prägendsten
Hardcore-Bands ist zurück: "Boysetsfire" zwischen
Verzweiflung und Wiederauferstehung.
Zuerst verabschiedet sich Bassist Rob Avery mitten
während einer Europa-Tour und danach reißt
auch noch das zerrüttete Band zwischen Band und
Label – die letzten zwei Jahre waren nicht gerade
leicht für das Hardcore-Quintett „Boysetsfire“ aus
dem US-Staat Delaware.
Eben noch erschien das (für viele zu politische)
dritte Album „Tomorrow Comes Today“ (2003)
auf dem Mini-Major Wind Up. Der Eindruck, es ginge
von nun an mit den Musikern nur noch bergauf, war jedoch
von kurzer Dauer: Bald schon kämpfte die Gruppe
um Sänger und Frontmann Nathan Gray nämlich
ums nackte Überleben der Band. Gleich mehrere
Male sollen die Worte „Auflösung“ gefallen
sein. Das neue Album „The Misery Index: Notes
From The Plague Years“ sei nach Band-Angaben
eine Art „Heilungsprozess“ gewesen. „Es
hat uns unsere Hoffnung zurück gegeben“,
meinte Gray anlässlich des aktuellen Release.
Doch wer sind BSF? 1994, mit Nietengürtel und
Vans ausgestattet, rockten die fünf Rookies vorerst
nur die Keller ihrer Eltern. Schon damals hatten sie
ein klares Ziel vor Augen: Dinge aufzurütteln.
Ihre Songs, von kommunistischen Idealen und marxistischen
Theorien angehaucht, brachten den Hardcore wieder zu
seinen Wurzeln zurück – dem politischen
Tatendrang.
Nach einer ersten EP war es 1997 dann endlich soweit:
BSF hatten einen Deal und ihr Debüt „The
Day The Sun Went Out“ beglückte die Untergrund-Szene.
Zwei Jahre später: dem Wechsel von Initial Records
zu Victory, folgte der Rauswurf des Bassisten und der
Einstieg des erst kürzlich ausgeschiedenen Rob
Avery. „After The Eulogy“, ihr zweites
Album, erregte zum ersten Mal mit einem kleinen „Hit“ Aufmerksamkeit – „Rookie“.
Auch die hervorragende Nummer „My Life In The
Knife Trade“ sollte zur Untergrund-Hymne auf
diversen Festivals werden.
Nach Kurzaufenthalten auf den Labels Victory und Wind
Up, entschieden sich BSF nun auf Burning Heart eine
Art Neuanfang zu starten – der Phönix aus der
Asche. Auch der Titel der neuen Scheibe, „The
Misery Index: Notes From The Plague Years“, deutet
auf die schweren Zeiten der Band hin.
Die dreizehn neuen Kracher präsentieren sich
allesamt zwar deutlich weniger politisch, jedoch nicht
weniger Aussage kräftig als vorangegangene Tracks.
Wieder einmal sorgt Nathan Grays verzweifelter, zerbrechlicher
aber auch zorniger Gesang für Gänsehaut,
die aggressiven Screams gehen tief unter die Haut und
bleiben dort als wären sie eintätowiert.
Der unglaubliche Facettenreichtum der Band, den Grays
wandelbare und kernige Stimme abrundet, fasziniert
auch 2006 wieder. Es wird geschrieen, gebrüllt,
gehasst, geliebt und einfühlsam gesungen. Neben
extrem schnellen und düsteren Nummern („Falling
Out Theme“ und „Final Communiqué“)
finden sich auch wieder viele ruhige Passagen. So erzählt
beispielsweise das wunderschöne, melodiöse „(10)
And Counting“ die Geschichte der Band. Es handelt
von Freundschaft, Verrat und einem kleinen Hoffnungsschimmer
am Ende des Horizonts: „Things were different
then, it was five of us against the world but then,
the world sure seemed much smaller; Broken down, down
and out; Out of gas, out of food without a doubt”.
Experimentelle Lieder wie “So Long…And
Thanks For The Crutches“ mit kreativem Jazz-Intro
sorgen für gehörig Abwechslung – obwohl
es auf einem BSF-Album gewöhnlich immer sehr abwechslungsreich
zugeht. Sogar rudimentäre Scratches sind am Ende
des Tracks zu hören.
Nach den Gerüchten einer bevorstehenden Trennung
können BSF-Fans somit erleichtert aufatmen und
sich an unglaublich intensiven, teils melancholischen
Musikjuwelen erfreuen, deren Dunkelheit heller strahlt
als jedes Pop-Sternchen. Lieblings-Song: “Empire”.
Wer die Jungs aus den Staaten vergangenes Jahr bei
ihrem Gig auf dem Nova Rock Festival verpasst hat,
kann diesen Fauxpas am 24. März in München
und am 25. März in Wien wieder gut machen.
Fazit: BSF haben mit “The Misery Index: Notes
From The Plague Years” wieder ein Album voller
Schmerz, Trauer, Hoffnung und anspruchsvollen Texten
geschaffen, das definitiv in jede Musiksammlung gehört – intensives
Gefühlschaos auf höchstem Niveau!
#stephan kliemstein
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