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Parlando*-Lkw
29. November 2005
Dem Fernsehkonsumenten mag es schon aufgefallen
sein: Hip-Hop im Jahre 2005 röchelt wie ein
an Asthma Erkrankter. "Blackalicious'" neues Album
tut deswegen gut.
Während andere Arten der Musik – Rock bzw.
Punk – gerade ihre Auferstehung feiern, ist es
in den letzten Jahren im Bereich des Hip-Hop, zumindest
im englischsprachigen, ein bisschen leise geworden.
Ausbeutung des weiblichen Körpers, Klunker und überdurchschnittliche
Autos haben Beatbox, Wortspiel und Graffiti den Rang
abgelaufen. Wenig ist vom einst als Subkultur entstandenen,
im Jahre 1975 seine Hochblüte erlebenden Hip-Hop
der früheren Dekaden übrig geblieben.
Denn als Hip-Hop in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts
in den Straßenschluchten New Yorks (Die Bronx,
um genau zu sein) der Welt eine weitere (Musik-) Revolution
aufbereitete, stand das letztlich einzige Kommunikationsmittel
des Menschen, der Mund, im Mittelpunkt. Von hier aus
wollte man dem Planeten Erde demonstrieren, dass eine
neue Musikspalte abseits der Gitarre möglich ist.
Komponenten wie Public Enemy, 2 Pac, N.W.A. oder auch
später die Beastie Boys zauberten unter teilweise
simplen Umständen – opulente Reime, untermalt
mit fetten Beats – die ultimative Sound-Revolution
herbei.
Heute, im Jahre 2005, ist der die englische Sprache
einverleibende Hip-Hop auf eine andere Ebene reflektiert
worden. Der Mainstream regiert mindestens in den weltweiten
Fernsehkanälen und stopft alle Löcher, die
eine Musik fern von dem gewöhnlichen Einheitsbrei
erlauben würden, dicht. Doch hin und wieder tun
sich Lücken auf: Die schon seit gut zwei Jahrzehnten
im Hip-Hop-Genre tätigen Blackalicious (früher
immer wieder unter anderem Namen erfolgreich unterwegs)
veröffentlichten vor kurzem ihr neuestes Werk „the
craft“ und machen deutlich, wer im wahren Hip-Hop
wortwörtlich das Wort hat.
Die Band rund um Produzent Chief Xcel und MC Gift
of Gab kreierten ein geniales Album, das weder an schönen,
groovigen Beats noch an Wortreimen zu wenig hat. Herausstechend
sind jedoch drei Lieder: Das Eingangslied „World
Of Vibrations“, „Side To Side“ und „Rhythm
Sticks“, dessen Inhalt aus der Buchstabierung
des Namen Blackalicious besteht. „If you ain't
heard about my crew I guess I have to spell it then;
B, B is fort he beat you knock…L is for the
lyrics on the beat that have to get A, A is for the
absolute that dwells, everywhere you can't C, C is
for creatin' which bring you in the K, K is for the
knowin' which will bring us back to A . . . ” rappt
MC Gift of Gab hier auf seine superbe Art und Weise.
Parlando* im treffsichersten Sinne also – schön,
dass es so etwas auch noch gibt!
#johannes rausch
*[Par|lan|do, das; (ital.) Musik mehr gesprochen als
gesungen]
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