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4LYN Take It As A Compliment
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4FANS 2. Juni
2004 4LYN bieten mit ihrem dritten Album, "Take It As A
Compliment", ihren Kritikern trotzig die Stirn: Kurs halten, Mr. Sulu! Seufz.
Da rege ich mich noch im letzten Philosophieseminar darüber auf, dass man
nicht immer nur darauf schauen sollte, ob etwas "neu" ist, weil ja ohnehin
alles schon einmal dagewesen ist, und dann landet die neue CD von 4LYN in meinem
Briefkasten. Was bisher geschah: Eine Gespann lautstarker Hanseaten macht sich
auf, Nu-Metal nach amerikanischem Vorbild unters Volk zu bringen, und veröffentlicht
zwei Alben, die zwar Käufer, aber keinen wohlwollenden Rezensenten finden.
Visions, das Magazin, dem die Haltung schon aus den Ohren trieft, sieht in den
Jungs all das, was schlecht ist an der heutigen Musik und ruft eine Art Indie-Fatwah
gegen alles aus, was die Band hervorbringt. Natürlich machen 4LYN unbeirrt
weiter, spielen diverse erfolgreiche Tourneen und bringen jetzt ihr drittes Album
heraus: "Take It As A Compliment". Und das ist mitsamt seinem
Waschzettel eine schöne Studie darüber, wie sehr sich eine Plattenfirma
anstrengen kann, eine Gruppe ins schönste Licht zu rücken. Die beigelegte
Biographie informiert akribisch über jeden noch so kleinen Erfolg der Band,
spart aber mit Zitaten zur kritischen Rezeption. Im einleitenden Vorwort von Lotto
King Karl (lieber nicht fragen!) ermahnt dieser die schreibende Zunft, dass Phrasen
wie "klingt wie" und "möchte sein wie" einen schlechten
Journalisten erkennen lassen. Jaja, Lotto King Karl, der Reich-Ranicki der Albumkritiken.
Demnächst erklärt uns vielleicht Britney Spears, warum Haydns Streichquartette
formvollendeter sind als die von Mozart. Kommen wir also unserer Journalistenpflicht
nach: 4LYN möchten gern sein wie alle anderen Nu-Metal-Bands - Limpkorn,
Sliptown, Crazybiskit, Papastaind und wie sie alle heißen - und deshalb
klingt ihr Sänger/Shouter/Rapper/Fronteumel auch gleich sicherheitshalber
wie Fred Durst und Coby Dick zusammen. Hier ein wenig psychotisches Geschrei,
da ein paar von diesen Chunka-Chunka-Gitarrenriffs, dazu ein paar Synthi-Sprengsel,
putzige Pseudonyme für alle Bandmitglieder, nur die Masken haben sie vergessen. Aber
denken wir zurück an das Philo-Seminar: "Neu" ist ja nicht das
Maß aller Dinge, "gut gemacht" erfüllt den Zweck ja auch.
In meinem Hinterkopf formt sich gerade das Wort "solide", das einzubauen
mir selten schwerfällt: Eine solide erste Single, "Kisses Of A Strobelight",
wartet mit solidem Power-Pop-Rock auf (Tränen fließen, Menschen fallen
sich in die Arme), es gibt einen soliden Gastauftritt vom deutschen Rapper Curse
auf "S.T.C." (ansonsten wird wie gehabt nur englisch getextet), und
die Produktion der eigentlich durchwegs soliden CD ist gut gemacht. Kritik nach
Baukastensystem, irgendwie passend zum Album. Doch, doch, "Take It
As A Compliment" darf man gut finden. Man darf dazu Luftgitarre spielen,
beim Autofahren mitgröhlen, beim Daheim-Horchen umherspringen. Man darf auch
einzelne Songs herauspicken, die irgendwie richtig gut sind - das schräge
"Drama Queen" zum Beispiel - und dann darüber reflektieren, warum
eine Band, die so viele schlechte Kritiken erntet, doch so viele Freunde findet.
Vorschlag an 4LYN, wenn das nächste Mal jemand darauf hinweist, daß
das Album wie all die anderen Bands klingt: Take it as a compliment. #christian
genzel
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