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Gert Jonke und der Dorfplatz: Gelungene Analyse und Satire
Der Autor als Stimmungsvermesser: In seinem ersten, 1969 erschienenen, nun im Jung und Jung Verlag neu aufgelegten Roman „Geometrischer Heimatroman“ nimmt der damals 23 Jahre alte (und nun 58-jährige) Autor Gert Jonke ein in einem Kessel liegendes Dorf unter die Lupe und protokolliert mit sprachlicher Raffinesse die der Normalität innewohnenden Skurrilitäten. Vom Zentrum des Mikrokosmos, dem Dorfplatz ausgehend, unternimmt Jonke einen satirischen Ausflug in die Welt des „alten Schmiedes, seiner Frau und seinem Sohn, dem jetzigen Schmied“. Er analysiert in Wort und Bild ein „Bewässerungssystem für einen untermauerten Bereich“, und er glänzt immer wieder mit Sentenzen wie „Das Erfolgreiche ist vor Gott gerechtfertigt“.
Der in Klagenfurt geborene und nun in seiner Heimatstadt sowie Wien lebende Schriftsteller probierte in seiner subjektiven Heimat-Analyse unterschiedliche Stile aus. Der von Leichtigkeit getragene Experimentcharakter äußert sich im Abdruck eines Volksliedes, in Hommagen an konkrete Poesie, kindlichen Grafiken oder in einem Fragebogen: „Halten Sie Bäume im einzelnen oder in Ansammlungen für vorteilhaft, unvorteilhaft oder gefährlich?“
Obrigkeitshörigkeit, Ritualfixiertheit, Beamtenmentalität: Gert Jonke blickt hinter die blumigen Fassaden der schmucken ländlichen Idylle, aber er tut es nicht mit einer Geste der Verachtung, sondern mit warmherziger Zuneigung. Es ist ein Lehrbuch mit Augenzwinkern und ein starkes Frühwerk des nunmehrigen Staatspreisträgers.
MARTIN BEHR
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