|
Warum Erdgas aus Sibirien oder Erdöl aus Kuwait beziehen, wenn die Wärme für die Heizung aus dem eigenen Garten kommen kann?
Das Heizen mit Erdwärme ist umweltfreundlicher und kostengünstiger als mit einer Gas-, Holz-, Pellets- oder gar Ölheizung. Eine Erdwärme-Heizung macht sich zunutze, dass die Erde in einer Tiefe von 1,2 bis 1,5 Metern (je nach Frostschutzgrenze) die Sonnenenergie speichert. Im Winter zeigt sich das an einem beträchtlichen Temperaturunterschied zwischen Außenluft und Erdreich. In der Regel ist es in der Erde konstant warm. Nach und nach kühlt der Boden während des Winters zwar aus, allerdings nicht so stark, dass eine Erdwärme-Heizung die gespeicherte Energie nicht mehr nutzen könnte.
Technik ist völlig ausgereift Wärmepumpen sind seit Jahrzehnten bekannt, wurden ständig verbessert und gehören heute zu den Techniken, die vollkommen ausgereift sind. In Österreich sind derzeit rund 150.000 Wärmepumpen im Einsatz und schon jedes sechste neugebaute Haus ist mit dieser umweltfreundlichen Heizung ausgestattet. In unserem Nachbarland der Schweiz sind es bereits über 40 Prozent der Neubauten und in Schweden gar über 50 Prozent. Erdwärme wird in der Regel mit einer Fußbodenheizung kombiniert. Das Heizungswasser wird durch die Wärmepumpe auf etwa 35 Grad Celsius erwärmt. Das reicht völlig, um einen Raum zu heizen. Die Wärmeverteilung funktioniert am besten über die Fläche und hierfür ist die Fußbodenheizung die ideale Variante.
Bauliche Vorkehrungen Im Garten werden Rohre verlegt, ähnlich den Schläuchen einer Fußbodenheizung. Im Fachjargon werden diese Rohre als „Kollektoren" bezeichnet. Durch diese Rohre läuft eine unbedenkliche Flüssigkeit, die kälter als das sie umgebende Erdreich ist und die Energie aus dem Boden aufnehmen kann. Der Flächenbedarf beträgt das 1 bis 1,5-fache der Wohnfläche. Diese Energie wird im Haus in einer Wärmepumpe an die Heizung oder die Warmwasseranlage weitergegeben. Alternativ zur Verlegung der Rohre in der Fläche können auch ein bis drei Löcher über 30 bis 120 Meter - je nach geologischer Beschaffenheit - tief ins Erdreich gebohrt werden. Hier spricht man von „Sonden". Pro Bohrloch werden je vier Rohre verlegt, durch die ebenfalls Flüssigkeit zirkuliert und die dem Boden Wärme entziehen. Das Prinzip ist mit der Art der Wärmegewinnung durch Kollektoren identisch. Unterschied: Das Bohren der Löcher ist teurer, dafür ist der Platzbedarf wesentlich geringer.
Geringe Betriebskosten Für die Anschaffung einer Wärmepumpe mit Kollektoren müssen bis zu 20.000,- Euro einkalkuliert werden, was aber durchwegs den Investitionskosten anderer Heizsysteme entspricht. Im Alltagsbetrieb fallen jedoch nur die Stromkosten für die Wärmepumpe an, um die Energie aus dem Boden in Energie für die Heizung und die Warmwasserbereitung umzuwandeln. Dabei arbeitet die Wärmepumpe sehr effizient. Um 100 Prozent Heizenergie zu bekommen, benötigt sie nur 25 Prozent Stromenergie - 75 Prozent werden also gratis von der Sonne via Erde beigesteuert! Im Klartext heißt das: für ein Haus mit 160 m2 Wohnfläche fallen jährlich lediglich 245,- Euro an Energiekosten an (bei entsprechender Auslegung und Strompreisbasis 2002). Zu berücksichtigen ist auch, dass beim Bau eines Hauses sowohl der Kamin als auch der Heiz- und Lagerraum eingespart werden können. Da die Wärmepumpe sehr geräuscharm ist und nur die Größe eines Wasser-Boilers hat, kann sie in jedem Wirtschaftsraum aufgestellt werden. Fazit: Die etwas höheren Anschaffungskosten amortisieren sich schon nach wenigen Jahren! Und vollends perfekt ist das Heizsystem, wenn die benötigte Stromenergie aus der Photovoltaikanlage direkt vom Hausdach kommt.
Variante 1: Die Rohrleitungen werden flächenartig ausgelegt. Der Vorteil: geringere Baukosten als bei Variante 2.
Variante 2: Eine vertikale Sonde wird in das Erdreich eingebracht. Der Vorteil: diese Variante ist auch für Kleinstgärten geeignet.
Die Anlage Familie Greger in Schongau/D hat 180 m2 Erdkollektorfläche und 160 m2 beheizte Fläche. Die jährlichen Heizkosten: 245,- Euro
INFORMATION Der Bundesverband WärmePumpe Austria (BWP) www.bwp.at Heliotherm Wärmepumpen www.heliotherm.com Testbericht Wärmepumpen www.konsument.at
|