|
Bob Dolmans unverblümte Filmkomödie mit Goldie Hawn, Susan Sarandon und Geoffrey Rush.
Die draufgängerische "Vinnie" hat sich zur seriösen "Lavinia" gemausert. Adrette Kostüme in Beige sind standesgemäß für die Frau eines Anwalts und Mutter zweier fast erwachsener Töchter. Das Ex-Flittchen hat die Kurve gekratzt in die bessere Gesellschaft. Alle Erinnerungen an flotte "Groupie"-Zeiten scheinen perfekt abgestreift.
Aber da taucht Suzette auf, die Jugendfreundin: ganz die Alte, in jeder Hinsicht. Ihrem Outfit und ihren Umgangsformen ist sie seit zwei Jahrzehnten entwachsen - aber was soll's? Klar, dass die Wiederbegegnung der beiden zum Komödienstoff taugt.
Mit einer raffinierten Story hat sich Regisseur Bob Dolman nicht lange aufgehalten. Die Geschichte wird geradlinig erzählt, Zufälle in der Handlung lassen nicht auf sich warten. Eigentlich hat man das alles schon irgendwo - und meist: besser - gesehen ("Thelma und Luise").
Also ein Film, entstanden im Gottvertrauen auf zwei komödienerprobte Darstellerinnen? Goldie Hawn ist Suzette. Eine "wülde Henn'" würde man umgangssprachlich sagen, die ohne Genierer heran geht. Lavinia (Susan Sarandon) macht dazu eine professionellpikierte Miene - bis sie sich spontan hineinziehen lässt in den Strudel turbulenter Jugendzeiten. Und weil es ja eine Komödie ist a` la Hollywood, geht die Sache trotzdem toll für sie aus.
Ein Lobgesang auf die kleine individuelle Freiheit, ohne ernsthaft an der Spießer-Fassade zu kratzen oder gar gesellschaftliche Werte in Frage zu stellen. Ein dritter Oscar-Preisträger steht auf der Darstellerliste: Geoffrey Rush als Harry, ein nicht ganz erfolgreicher Drehbuchautor.
Er hat zwar überhaupt nichts zu tun mit der eigentlichen Handlung, sondern dient als attraktive Staffage-Figur. In den Dialogen zwischen Suzette und Harry freilich - gescheiterte Existenzen, jeder auf seine Art - blitzt zuweilen etwas subversiver Witz auf. Harry reist mit kleinem, aber aussagekräftigem Gepäck: Eine Schreibmaschine und ein Revolver mit einer Patrone. Im Reigen der anderen Figuren, die nur für Stereotypen und Klischees stehen, wirkt die leise Zurückhaltung von Geoffrey Rush wohltuend professionell.
REINHARD KRIECHBAUM
© SN
|