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Elling
Umwerfend
Spritzige norwegische Filmkomödie: "Elling"

Zuerst hat die Mutter über Elling gewacht, und seit deren Tod sind es die Psychiater: "Haben die denn kein eigenes Leben, über das sie nachdenken können?", fragt Elling resignierend. Mit niederschmetternder Vehemenz bricht die große Freiheit über ihn und den Patienten-Kollegen Kjell Bjarne herein. Sie beziehen eine Wohnung in Oslo, zur großen Feuerprobe, die da heißt: "Mit dem Leben klar kommen, wie die normalen Leute." Das birgt nicht wenige Komplikationen für einen, der sich nicht einmal getraut, den Telefonhörer abzuheben. Und sein Partner aus der Psychiatrie? Er hat nichts als Frauen im Kopf, wagt aber seit vier Jahrzehnten nicht, eine anzureden . . .

800.000 von 4,2 Millionen Norwegern haben "Elling" gesehen - es ist der erfolgreichste skandinavische Film aller Zeiten. Eine Oscar-Nominierung drängte sich auf: In dem Film von Petter Naess entspricht Komödie exakt der Definition aus dem Literaturgeschichte-Buch: Lächeln unter Tränen. Dem Regisseur ist es gelungen, die beiden Protagonisten in ein Netz von absurden Situationen zu verstricken und doch genau eine imaginä-re Grenze einzuhalten, um sie nicht lächerlich zu machen. Wenn Per Christian Ellefsen in der Titelrolle eine beleidigte Miene aufsetzt, erinnert er an die besten komischen Figuren von Heinz Rühmann.

Ellings überlegentrockene Kommentare entlarven den Alltag. Es existiert ein Leben abseits des Verhaltens-Mainstreams: "Da gibt es die einen, für die ist eine Expedition zum Südpol etwas Alltägliches - und dann gibt es die anderen, für die ist schon der Gang durchs Restaurant ein Abenteuer."

Auf Elling und Kjell Barne (Sven Nordin) wartet die große Herausforderung. Sie finden eine ohnmächtige Frau im Stiegenhaus. Plötzlich ergeben sich soziale Kontakte und daraus wächst zwischen den durch ihre psychische Krankheit zusammengeschweißten Freunden Verunsicherung, Eifersucht, Trotz. Hassliebe und ein Aufeinanderangewiesen-Sein: Die Parallelen zu "Einer flog über das Kuckucksnest" sind nicht zu übersehen, aber "Elling" ist doch ein ganz eigenständiger Film. Spritzig und hintergründignachdenklich, eine schier umwerfende Mischung.

Wie aus Elling schließlich ein auch von den Feuilletons aufmerksam beobachteter "Sauerkraut-Poet" wird und was ein solcher überhaupt ist - das muss man einfach gesehen haben.

REINHARD KRIECHBAUM

© SN.

 

diese seite | 14.01.2003 | 14:55

Daten und Fakten

Regie: Petter Naess

Schauspieler: Per Christian Ellefsen, Sven Nordin, Marit Pia Jacobsen, Jorgen Langhelle, ...

Genre: Drama, Komödie

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