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Spielfilmdebüt von Christian Carion: "Eine Schwalbe macht den Sommer"
Ein Heimatfilm der französischen Art: Sandrine, die erfolgreiche Internetspezialistin, hat den Pariser Großstadtdschungel satt und sehnt sich nach ländlicher Idylle. Mit Träumen gibt sich die 30-Jährige allerdings nicht zufrieden. Sie absolviert eine Landwirtschaftsschule und tauscht ihre virtuelle Berufswelt gegen die Realität eines abgelegenen Bergbauernhofs, den sie käuflich erwirbt - mit dem Anwesen jedoch auch einen grantelnden Alm-Öhi, dem das Wohnrecht auf dem Hof zugesprochen wird und der Sandrine das Leben erschwert.
Der französische Regisseur Christian Carion landete mit dem Spielfilmdebüt "Eine Schwalbe macht den Sommer" in seiner Heimat einen überraschenden Publikumserfolg. Das verwundert nicht: Das Genre des klassischen Heimatfilms ist in Frankreich bei weitem nicht so stark von Traditionen "belastet" wie beispielsweise in unseren Breiten. Dies ermöglicht jene unbeschwerte Annäherung an das Thema, die Carions Streifen auszeichnet. Die meisten Klischees vermag er dabei zu umschiffen. Linear erzählt er die Geschichte einer Aussteigerin und würzt sie mit Motiven wie Freundschaft, Generationskonflikt und Sinnsuche.
Mit Mathilde Seigner ist die weibliche Hauptrolle sehr gut besetzt. Sie verkörpert die Neo-Bäuerin erfrischend unkompliziert. Für die inneren Konflikte der Protagonistin findet sie dennoch treffende und völlig unprätentiöse Gesten. Damit behauptet sie sich als Widerpart zu Michel Serrault, der den sturen Altbauern spielt. Nach und nach brechen die Hintergründe für dessen Verbitterung auf. Den Tod seiner Frau hat er ebensowenig verkraftet wie den Umstand, dass die Ehe kinderlos und er damit ohne Hoferben geblieben ist. Mit einer einzigen Ausnahme hat Bauer Adrien auch keine Freunde. Als einst bei ihm der Rinderwahnsinn ausgebrochen war und sein ganzer Viehbestand notgeschlachtet wurde, haben ihn die Nachbarn im Stich gelassen. Das vergisst Adrien nicht. Sein Exil heißt Einsamkeit.
Die Spannung zwischen den beiden Protagonisten trägt "Une hirondelle a fait le printemps", so der Originaltitel. Die Lösung mancher Konflikte fällt jedoch psychologisch ein wenig leichtgewichtig aus. Die Überdosis an Harmonie inmitten der idyllischen Landschaft nimmt der kammerspielartigen Charakterstudie viel von ihren Ecken und Kanten. So wird aus einem stillen Drama ein unterhaltsamer Heimatfilm mit Charme und Esprit - auch nicht unbedingt eine Alltäglichkeit.
MICHAEL STADLER
© SN.
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