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Atmosphärisches Sozialdrama von Mike Leigh
Der Londoner Taxifahrer Phil hat alle Hände voll zu tun, um seine Familie und sich durchzubringen. Nicht einmal die Miete für sein Funkgerät kann er seinem Arbeitgeber pünktlich und vollständig zahlen. Da muss er schon mal bei seinen Kindern und seiner Frau antreten, um von ihnen die letzten Reste Wechselgeld einzusammeln. Auch sonst ist Phil der geborene Verlierer, weil er nicht gerade durch Arbeitseifer auffällt und manchen Fahrgast kulant transportiert. Was zu den geschilderten Finanzengpässen führt, zumal er den Wagen schon einmal unvorsichtigerweise um 38 Pfund vollgetankt hat.
Während Sohn Rory nicht daran denkt, sich eine Arbeit zu suchen und lieber vor dem Fernseher herumhängt, geht die unförmige Schwester Rachel brav ins Altersheim, um dort zu putzen und sich den Anpöbelungen der älteren Kollegen auszusetzen. Sie leidet besonders unter ihrem Übergewicht, das sie nur noch dünnhäutiger macht. Erst die plötzliche Erkrankung von Rory ändert die Lebensumstände der Familie auf einen Schlag. Doch eine rücksichtslose Aussprache eröffnet allen neue Perspektiven des Zusammenlebens. Mike Leighs Sozialdrama zeigt gesellschaftliche Verlierer, die nicht immer darum kämpfen, ihre Würde zu wahren. Dabei werden seine Helden jedoch immer wieder mit Menschen konfrontiert, denen es noch schlechter geht als ihnen selbst. Unnachahmlich skizziert dieser britische Film die Atmosphäre des Existenzkampfs im Bodensatz einer Gesellschaft, die Arbeitslosigkeit längst zu einem Gemeingut erklärt hat. Vor allem die Jugend, die keine Arbeit hat, kommt auf dumme Gedanken und flüchtet sich in Gewalt.
Der Londoner Alltag dreht sich um die Grundbedürfnisse des Lebens, um simple Dinge des Haushalts. Man findet schon bei einem Cola ein wenig Trost in der sozialen Orientierungslosigkeit. Der breite Dialekt und die herrlich schrägen, typisch englischen Typen, die da zu Phil ins Taxi steigen und von ihren Schicksalen erzählen, machen diesen Film von Mike Leigh zu einem filmischen Ereignis. Besonders dank Timothy Spall in der Rolle des Taxifahrers Phil kann man die Demütigungen dieser Gesellschaft mühelos nachvollziehen.
PIERRE A. WALLNÖFER
© SN.
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