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Brillant und aufwändig in Action-Szenen, doch mit enttäuschenden Dialogen: "Stirb an einem anderen Tag" ist nur für einen Teil der 007-Fangemeinde ein Ereignis.
James Bond außer Dienst. Die "Doppelnull"-Lizenz zum Tö-ten von "M" persönlich annulliert (!). Ausgemustert. Ausge- dient. Gibt es das? Ist so ein James-Bond-Film vorstell-, ja zumutbar? Lee Tamahoris erste Regie in der erfolgreichen Kinofilmreihe geht von exakt dieser Situation aus. Bond ist während eines Einsatzes in Nordkorea in Gefangenschaft geraten, er hat den korrupten Sohn eines Generals getötet und später, offensichtlich unter Einfluss von Drogen und Folter, einen wichtigen Doppelagenten verraten.
Zwar kommt Bond (Pierce Brosnan in seinem vierten Einsatz) schließlich im Austausch mit einem nordkoreanischen Agenten frei, doch "M" (Judy Dench) bedauert diese Maßnahme, denn der ausgetauschte Spion war besonders gefährlich. Aber Bond sieht sich in seiner Ehre gepackt: er will diesen Agenten auf eigene Faust unschädlich machen.
In die Handlung sind teuflische Raffinessen eingearbeitet. Zum Beispiel der Tausch von Identitäten mittels Gentechnik, die in einem Spital auf einer natürlich entlegenen Insel praktiziert wird. Diese Passagen des Versteckspiels zählen zu den Höhepunkten, zumal Bond mit Jinx (Halle Berry) ein besonders attraktives "Girl" zur Seite steht.
So eindrucksvoll der Beginn des Films mit tatsächlich atemberaubenden Actionsequenzen von Surfern gestaltet ist, so peinlich gleitet er später in simple Comic-Klischees und aus früheren Filmen bekannte schematische Situationen ab. Vor allem, als sich Bond gegen Ende, an einen Abhang geklammert, fern jeder Realität doch noch in Sicherheit bringt.
Das offiziell 20. Bond-Abenteuer in 40 Jahren versucht vergeblich mit Tabus zu brechen. Es löst aber vor allem ein Versprechen nicht ein: den vielseitigen Schauspieler Pierce Brosnan, der gerade für die Figur des Lebemanns James Bond alle Voraussetzungen hat, mit ad-äquaten pfiffigen Dialogen zu versorgen. Der Verdacht liegt nahe, dass die Synchronisation diesmal nicht sorgfältig erfolgte. Es gibt Anspielungen, die aber in der Übersetzung versanden. Überraschungen im Handlungsverlauf hätten auch nicht geschadet.
Wer im Bond-Konzept nach Neuerungen sucht, wird dennoch fündig. So ist der berühmte Vorspann, zu dem traditionell das Titellied erklingt, erstmals in die Handlung eingebunden. Dafür dauert es eine geschlagene halbe Stunde, ehe Bond sich von der nordkoreanischen Gefangenschaft erholt hat. Brutale Folter-Passagen erinnern stark an den Richard-Gere-Thriller "Red Corner".
Überhaupt scheinen die (Eigen-) Zitate in diesem Film kein Ende zu nehmen. "Diamantenfieber" lässt besonders heftig grüßen.
Bond verhindert schließlich den Dritten Weltkrieg und lässt die Amerikaner schlecht aussehen. Außer der CIA-Agentin "Jinx" Halle Berry, die einfach nur gut aussehen kann. Im Gegensatz zu Madonna, die zwar einen zugegeben innovativen Titelsong, aber sonst nur ein offenes Korsett zu bieten hat.
PIERRE A. WALLNÖFER
© SN.
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