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Abenteuerepos "Die vier Federn" mit Heath Ledger
Alle paar Jahre steigt der indische Regisseur Shekhar Kapur in seinem Wohnort Bombay in ein Flugzeug, um nach England zu düsen und den Briten mal wieder ein episches Filmwerk über ihre Vergangenheit zu bescheren. Das Vergnügen der Briten ist dann jedes Mal zweifelhaft. Denn Kapur ist für einen Abkömmling der britischen Kolonien ganz schön aufmüpfig, erstaunlich geschichtsbewandert und äußerst provokativ. Die große - männerlose - Königin Elizabeth hat er in seinem Oscarprämierten Film mit Cate Blanchett eiskalt entjungfert. Und nun schickt er in "Die vier Federn" die britische Kolonialmacht in die Wüste.
Die Geschichte der "Vier Federn"basiert auf einer Romanvorlage von A. E. W. Mason aus dem Jahr 1902 und wurde nun schon sieben Mal verfilmt. Doch so schlecht wie bei Kapur sahen die ruhmreichen Briten noch nie aus. Die Vorlage eignet sich durchaus für ein patriotisches Heldenepos, Kapur bürstet sie so gegen den Strich, dass die gnadenlose Ideologie einer Weltmacht und die Psychologie einer von eigener Größe wahnhaft überzeugten Nation bloß gelegt wird.
Der junge Soldat Harry Feversham, gespielt vom australischen Jungstar Heath Ledger, quittiert kurz vor der Einschiffung der Armee zum Einsatz in den Sudan den Dienst. Für seine Freunde und seine Verlobte Ethne (Kate Hudson) kann das nur eins bedeuten: Er ist ein Feigling. Enttäuscht übersenden sie ihm vier Federn, das Zeichen für Feigheit.
Um seinen Ruf wenigstens für sich selbst zu retten, macht sich Harry auf eigene Faust auf in den Sudan, um seine Freunde inkognito zu unterstützen. Eine abenteuerliche Reise beginnt, die den Helden mehrfach an seine Grenzen bringt. Im sinnlosen Schlachtgetümmel offenbart sich die ganze Absurdität der britischen Unternehmung.
Wieder einmal beweist Shekhar Kapur, dass Geschichtskino mehr sein kann als eine bunte Kostümparade. Seinen Film kann man als handfestes Pamphlet gegen Imperialismus und Krieg betrachten - oder einfach nur als spannendes Abenteuerepos. Das dürfte die attraktivere Variante für die Fan-Gemeinde von Mädchenschwarm Heath Ledger sein, deren Held in "Die vier Federn" wahrhaft schauspielerische Größe beweist.
WALTRAUT MÜLLER
© SN.
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