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Nikolaus Geyrhalters Dokumentation
Wie weit muss man reisen, um "elsewhere" zu landen, anderswo, in einer wirklich "fremden" Fremde? Der österreichische Dokumentarfilmer Nikolaus Geyrhalter hat es ausprobiert: ein Jahr lang jeden Monat an ein anderes Ziel, für zwei, maximal drei Wochen. Jeweils zwanzig Minuten Film sind daraus geworden, als Ganzes also satte vier Stunden.
Man muss so weit gar nicht reisen: Luigi Garau ist Fischer auf Sardinien, er lebt immer noch in einer Hütte ohne Strom und ohne Fließwasser. Die Gewässer sind leer gefischt, "man muss immer weiter hinausfahren aufs offene Meer". Die Kundschaft indes ist kapriziös, "die Restaurants wollen schöne Fische". Hässliche Fische essen nur arme Leute . . .
Leben in vielen Spielarten den Globus querüber: von Grönland und Lappland bis auf ein winziges Atoll-Inselchen in Mikronesien, wo eine Lehrerin ziemlich streng urteilt über die Care-Pakete, die vom Roten Kreuz alle zwei Jahre abgeworfen werden. Was soll man mit getragenen Klamotten, fragt sie, die barbusig in ihrer Dorfschule steht.
Nikolaus Geyrhalter ist ein genauer Beobachter und vor allem einer, der sich nicht in Einzelheiten verliert. Er packt in die jeweils zwanzig Minuten nicht Panoramablicke aufs Exotische, sondern zeigt jeweils einen Menschen in seinem Alltag - wie er lebt, arbeitet. Und dann immer eine Interview-Situation, in der nicht selten philosophische Gedanken durchbrechen. Die steinalte chinesische Haushaltsvorständin, australische Aborigines, ein sibirischer Rentierzüchter - sie alle erzählen auch davon, was ihnen moralisch wichtig und wertvoll im Umgang der Menschen untereinander ist. Tsewang Dolma, Sennerin in Ladakh, ist stolz darauf, "nie jemandem weh getan zu haben". Ein Mann aus Indonesien erzählt, dass Menschen, die einen anderen "verhext" und zu Tode gebracht haben, eben getötet, gekocht und gemeinschaftlich aufgegessen werden. Strafe muss sein.
"Aber die Verwandten des Hexers sind dann böse, das muss man bedenken." Und Kapyarokoro, ein Dorf-"Bürgermeister" in Namibia, überlegt, eine dritte Frau zu heiraten. Und wenn er einmal stirbt? Derjenige, der seine Herde erbt, der wird auch die Witwen "erben" und versorgen müssen.
REINHARD KRIECHBAUM
© SN.
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