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Ein FBI-Profiler kehrt im Alleingang aus dem Ruhestand zurück und sorgt für Gerechtigkeit
Der FBI-Profiler Terry McCaleb kehrt, zwei Jahre nachdem er bei einem Einsatz einen Herzinfarkt erlitten und ein Spenderherz bekommen hat, auf die Straße der Verbrecherjagd zurück. Er soll jenen Mann finden, der die junge Mutter erschossen hat, deren Herz ihm das Leben rettete. In privater Mission - und freilich schon auch, um seinen Dienst für die Allgemeinheit zu erledigen - tut er das. Schnell ist klar, dass der Serienkiller, den er jagt, auch jener ist, bei dessen Fast-Verhaftung er seinen Infarkt hatte. Ein Lonesome-Fighter zieht - in diesem Fall ganz wörtlich - mit ganzem Herzen in die Schlacht. John Wayne tat das. Der dieser Tage verstorbene James Coburn tat das. Die USA wären nicht die USA, hätten das nicht eine ganze Menge Männer getan - nicht auf der Leinwand, sondern draußen in der Prärie, in den düsteren Häuserschluchten der Großstädte. Der Mythos des Einzelkämpfers gehört zur großen Tradition des US-Kinos. Wenige solcher Helden sind uns als unumstrittene Hauptdarsteller geblieben.
Regisseur und Produzent Clint Eastwood besetzte, wie schon einige Male in den vergangenen Jahren, seine Hauptfigur ideal: mit sich selbst. Seit einigen Jahren beschäftigt die Hauptfiguren seiner Filme hauptsächlich das Altern und die damit verbundenen Gebrechen. Wie seinem Helden, geht auch Eastwood die Luft immer öfter aus. Für einen 72-Jährigen nicht weiter außergewöhnlich. Ihn reizt es sichtlich, die Herausfoderungen eines Lebens im Herbst in seinen Filmen umzusetzen. Terry McCaleb ist eine Art geriatrischer Drity Harry. Der medizinische Aspekt ergänzt sich mit seiner Motivation. Der Ticker in seiner Brust scheint eine direkte Verbindung zum Killer zu haben. Der schlauste Aspekt dieses Films jedoch ist, dass der Plot Eastwoods eigenes Älterwerden ungeschminkt und unverfälscht in die Kino-Dramatik einbaut.
Wer längst Monument seiner selbst ist, kann sich so auch in einer jugendlichen, vor krankhafter Gesundheit strotzenden Hurra-Gesellschaft scheinbar ohne Bedenken daran machen, den eigenen Mythos, wenn schon nicht zu zerstören, so zumindest mit einem mittelmäßigen Plot anzukratzen. Denn einer wie Clintwood weiß: Mit jedem Versuch wird er doch nur noch größer. Mehr als je zuvor agiert Clint Eastwood mit sparsamer, aber immer effizienter Aufregung. Mehr denn je blitzen seine schmalen Augen argwöhnisch. Verletzlich und verletzend agiert er als sturer Hund (der im Alter dann doch hin und wieder sein Herz entdeckt). Herrlich knochentrocken legt er seine Rolle an. Aber verdammt wären wir, hätte er, unser hantiger Held so vieler herrlicher Kinostunden, nicht auch dieses Mal immer noch irgendwo einen Trick, einen unerwarteten Gedanken, mit dem er seinem Gegner keine Chance lässt.
"Blood Work" gerät in erster Linie dank Eastwood - und zu einem guten Teil auch wegen seiner wichtigsten "Nebendarsteller" Anjelica Houston und Jeff Daniels - zu einem stilsicheren Thriller. Wenn sich in den Furchen im Gesicht Eastwoods ein hartes Leben, ein ganzer Kontinent kämpferischer Mühen zeigt, vergisst man auch, dass viel von der Spannung und Vielschichtigkeit der Buch-Vorlage zu Gunsten unterhaltsamer Popcorn-Qualität geopfert wurde.
BERNHARD FLIEHER
© SN.
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