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Reinhard Schwabenitzkys Komödie "Meine Schwester, das Biest" lebt von der Ausstrahlung der Sandra Pires
Die junge Dame, Hals über Kopf auf Fernreise in die Alte Welt aufgebrochen, lässt den Blick einigermaßen überrascht von einem Salzburger Nobelhotel über die Dächer der Altstadt zur Festung schweifen: "Genau so habe ich mir Europa immer vorgestellt - wo man hinguckt, alles voller Antiquitäten." Ähnlich mag es jetzt den Kinobesuchern gehen: Haben wir uns Reinhard Schwabenitzkys neuen Film nicht genau so vorgestellt? Wo man hinsieht, lauter alte Schmähs. Alt aber gut, muss man gerechterweise dazusagen. Und immer wieder sind die langen Bärte der alten Witze so miteinander verknüpft, dass man sogar überrascht wird.
Die Geschichte ist simpel. Die eine Zwillingsschwester ist untalentiert, aber im Showgeschäft. Die andere ist ausgebootet worden, aber sie erweist sich als die Raffiniertere. Mit Unverfrorenheit und dem Glück der Tüchtigen dreht sie den Spieß um. Wo das hinläuft, ist nach zehn Minuten klar. Dass der Regisseur die Verwechslungskomödie trotzdem am Köcheln hält, spricht für sein handwerkliches Knowhow. Der rasante Filmschnitt lässt gar keine Zeit zum Nachdenken über die ziemlich verquer zusammengepappte, holprige Handlung.
Schauspielerei findet eigentlich nicht statt. Ben Cross ist angehalten, als tollpatschiger Agent pferdegesichtige Grimassen zu schneiden. Elfi Eschke hat als Kathi Blümlein (man beachte die feinsinnige Namenswahl für das sich dann mit kraftvollen Salti und Pirouetten emanzipierende Mauerblümchen) einen treuherzigen Blick drauf, der gelegentlich in wilde Entschlossenheit kippt. Marco Rima, Herb Andress, George Arrendell in kleinen Parodie-Rollen: lauter sehr eindimensionale Figuren.
Bleibt Sandra Pires: Sie ist das einzige schauspielerische Greenhorn in der Runde, aber sie hat eben echte Erfahrung im Showbiz. Sie hat gelernt, sich zu bewegen. Und schließlich kann sie singen, spielt selbstbewusst ihre Natürlichkeit aus. Bei so viel Ausstrahlung wird aus der Debütantin als Filmschauspielerin plötzlich eine Überdrüber-Figur, der keiner in der Runde das Wasser reichen kann. Sie ist hinreißend und der einzige, aber sehr triftige Grund, sich den Film anzusehen.
Schwabenitzky macht einfach witzige, witzigeinfache Filme, und dafür kassiert er die Fußtritte von den Kritikern, weil sie Dinge vermissen, die dem Regisseur indes völlig wurscht sind. Nichts läge ihm ferner, als in eine Handlung subversive Ideenfäden zu knüpfen. Wenn sich so etwas wie Ironie einschleicht, dann bestenfalls durchs Hintertürl, weil die Geschichten eben hier und jetzt spielen.
Das sind dann Zufallstreffer, so wie in diesem Film die reichlich vordergründige, von Klischeevorstellungen bestimmte Kritik an den Eitelkeiten und Hinterhältigkeiten des Showbiz nichts als Zufall ist. Wer das sucht, muss bei Robert Altman arbeiten lassen. Reinhard Schwabenitzky hingegen erzählt nämlich mit geradlinigem Humor geradlinige Geschichten. Fast perfekte Seitensprünge, Hochzeiten, Scheidungen, und jetzt eben eine fast perfekte Karriere in Hollywood mit einem Reiseabstecher nach Salzburg und Wien.
Salzburg ist in touristischem Hochglanz ins Bild gerückt, ebenso ein Modegetränk, eine Fluggesellschaft und die Köstlichkeiten einer traditionsreichen Wiener Schnittenfirma. So was mag man eben, dies- und jenseits des großen Teichs. Solches Product-Placement erinnert uns daran, dass man sich in einem kleinen Land längere Zeit auf Heischegang begeben muss, um eine entsprechend dotierte, internationale Koproduktion in Angriff nehmen zu können.
REINHARD KRIECHBAUM
© SN.
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