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Andreas Hofer - Mit den Schwingen des Adlers
Mander in Not
Tobias Moretti und Franz Xaver Kroetz brillieren in Xaver Schwarzenbergers Verfilmung über den Tiroler Freiheitskampf nach einer Vorlage von Felix Mitterer

Die Versuchung war gewiss groß, Andreas Hofer als Helden zu präsentieren. Doch mit Felix Mitterer als Drehbuchautor und Tobias Moretti in der Titelrolle war das natürlich kein Thema.

Und so ist dieser Film kein wildes Heimatdrama und kein Alpenabenteuerfilm geworden. Vielmehr ein Epos über den Tiroler Freiheitskampf, das freilich auch in seinen Anspielungen auf die Gegenwart übertreibt. Denn die Triebfeder in "Andreas Hofer - Die Freiheit des Adlers" ist nicht der Volksheld Hofer, sondern der fanatische Pater Haspinger, der von einem Heiligen Land Tirol, einem Gottesstaat, träumt. "Weißt, Andre, ich habe einen Traum. Wir Tiroler für uns alloan. Über uns nur der Herrgott. Koa Kaiser, koa König."

Autor Mitterer sieht im Handeln dieses Fundamentalisten Haspinger Parallelen zu den Ereignissen und Ursachen des 11. September. Tatsächlich prägt nicht Andreas Hofer den Film, sondern dieser Haspinger, der sein Kreuz nicht von ungefähr wie eine Waffe mit sich herumträgt.

Tirol ist im Jahr 1809 Spielball europapolitischer Auseinandersetzungen. Die Österreicher sind schwach, Bayern hängt sein Fähnchen in den Wind und Napoleon plustert sich erfolgreich als Herrscher Europas auf. So muss der Innsbrucker Bürgermeister in diesem Jahr den Schlüssel der Stadt sieben verschiedenen Besatzern übergeben. Und arrangiert sich mit den jeweiligen Herrschern prächtig.

Die Tiroler Bauern sind da aus anderem Holz geschnitzt. Das Arrangieren liegt ihnen nicht so. Und der Gastwirt Andre Hofer sagt: "Bevor sie uns die Flügel stutzen und uns einsperren in einen Käfig - da muss man sich doch wehren."

Zunächst sind die Aufständischen erfolgreich und Hofer wird Oberkommandant.

Die hartnäckigen Tiroler verärgern aber den machtgierigen Napoleon, der eine Strafaktion beschließt. Und die Österreicher lassen Tirol schließlich im Zuge eines Friedensvertrags, trotz vorheriger schriftlicher Zusage, erneut fallen. Während nun Hofer resigniert, hetzt Haspinger seine Landsleute in einen letzten großen Kampf gegen die hoffnungslos überlegenen Franzosen.

Xaver Schwarzenbergers Regie, in der ersten Hälfte seltsam zerfahren, gewinnt schließlich Rhythmus. In drastischen Szenen wie etwa der Amputation eines Beines und einer Verfolgungsjagd durch den Wald verdeutlicht der Regisseur aber die bestialischen Seiten des Krieges, die sich sonst so geschickt hinter Phrasen und nüchternen Schlagzeilen verstecken. Der Zündler Haspinger ist schließlich der Einzige, der nicht nur dem Gemetzel entgeht, sondern 50 Jahre später friedlich an Altersschwäche in Salzburg stirbt.

Andreas Hofer freilich wird von einem Gefolgsmann verraten und in Mantua erschossen.

Bis in kleinste Nebenrollen ist der Film prominent besetzt - etwa mit Ottfried Fischer (als bayerischer König Max), Karl Markovics (Erzherzog Karl) oder Mathias Gnä-diger (Marschall Lefebvre).

Tobias Moretti spielt den Andreas Hofer mehr als Getriebenen denn als einen sich wichtig nehmenden Anführer. Im entscheidenden Moment ist er schwach und gibt unter Einfluss von Alkohol dem fundamentalistischen Kriegshetzer im Gewand eines Geistlichen nach. Julia Stemberger ist Hofers Ehefrau, die diese schwierige Zeit tapfer durchsteht.

Herausragend auch Franz Xaver Kroetz als Feldgeistlicher Haspinger, der sich als Erzengel sieht und nur Verderbnis bringt.

PIERRE A. WALLNÖFER

© SN.

 

diese seite | 23.09.2002 | 09:46

Daten und Fakten

Regie: Xaver Schwarzenberger

Schauspieler: Fini Bloeb, Gregor Bloeb, Guntram Brattia, Franz Xaver Kroetz, Tobias Moretti

Genre: Drama

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