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About a Boy
Für immer Buben
Hugh Grant überzeugt überraschend in der feinen Verfilmung des Nick-Hornby-Romans "About A Boy"

Es gibt ein Gesetz, das (wir) Männer in den Thirtysomethings, also jene von uns, die das Zeug mindestens zum umschwärmten Rockstar haben, niemals brechen: Du sollst immer cool sein - aber schon auch ein bisserl seelenvoll zerbrechlich! Dabei ist ganz egal, ob das die Wahrheit ist oder nur gut ge(schau)-spielt. Womit wir überraschenderweise bei Hugh Grant sind.

Denn ganz ehrlich: Als bekannt wurde, dass er Will, die Hauptrolle in der Verfilmung von Nick Hornbys Erfolgsroman "About A Boy" aus dem Jahr 1998, spielen würde, war das Entsetzen groß. Nach den wunderbaren Besetzungen für die ersten beiden Hornby-Verfilmungen, Colin Firth ("Fever Pitch") und John Cusack ("High Fidelity"), soll der britische Lackaffe mit dem Charisma eines abwaschbaren Jausenpapierls den 38-jährigen Will, Prototyp eines verlorenen Singles, eines ewigen Buben geben? Wirklich nicht! Nur schön, bestenfalls ein bisserl vertrottelt, süß, charmant - das bisherige Repertoire von Grant konnte nicht reichen. Schon gar nicht für die scharfsinnigen, selbstironischen Betrachtungen, mit denen Hornby das "Ewig-Bub-Sein"-Syndrom (und dessen Scheitern am Beziehungsglück) einer ganzen Generation durchleuchtet.

Aber Grant wird als cooler Will vom anderen, dem altersmäßig wirklichen Buben in der Geschichte, zu ungeahnter Wandlungsfä-higkeit genötig. Die Freundschaft zum 12-jährigen Marcus (Nicholas Hoult), dem besonders schwierigen Fall des eigensinnigen Einzelkindes der permanent depressiven Fiona (Toni Colette), ändert sein bis dahin oberflächliches Leben als Design-Single mit dem Hang zur sozialen Total-Wurschtigkeit.

In seinem Leben zählt lange alles, was trendy ist und alles, was Will sich ohne einen Gedanken an einen Job, dafür aber mit Protz-Schlitten dank der Tantiemen eines von seinem Vater verfassten Weihnachtsliedes, locker leisten kann. Mit Frauen hält er sich nicht länger auf, als er das will - und meist ist das kurz. Viele schöne Töchter hat das Land - unter anderem findet man sie im von Will entdeckten Eldorado für die Anbahnung von Bekanntschaften: einer Selbsthilfegruppe alleinerziehender Mütter.

Dort lernt er auch Marcus kennen und verliert in der Folge der sich entwickelnden Freundschaft unbewusst die ohnehin zur Attitü-de verkommene Angst vor einer engen Bindung. Dabei zerstört die Geschichte jedoch niemals den Traum vom Ewig-Kindsein, sondern gibt ihm eine neue, altersunabhängige Qualität. Zwei Buben werden spielend erwachsen und zwar in Dialogen und Begegnungen voll Witz und Charme.

Die Regisseure Paul und Chris Weitz wurden der großartigen literarischen Vorlage mühelos gerecht. Eine lebenswerte Kombination mit den Attributen "cool" und "einfühlsam" schlagen sie vor. Obwohl die Geschichte alle klassischen Merkmale einer romantischen Komödie trägt, bleibt sie nicht in deren Klischees hängen. Vor allem liegt das am ungewöhnlichen Umstand, dass sich die Schlüsselbeziehung zwischen Mann und Bub, und nicht zwischen Mann und Frau abspielt. Ein unterhaltsamer, bewegender und wahrer Film, nicht nur, aber ganz besonders für Thirtysomethings auf der ständigen Suche.

BERNHARD FLIEHER

© SN.

 

diese seite | 16.09.2002 | 10:17

Daten und Fakten

Regie: Chris Weitz, Paul Weitz

Schauspieler: Hugh Grant, Toni Collette, Rachel Weisz, Sharon Small, Jordan Cook

Genre: Komödie, Drama

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