|
Die Kummer-Tante ist eigentlich ein Kummer-Onkel. Wird die Lebensberatungs-Rubrik "Ask Cindy" in einer nahe am Pleite-Abgrund dahinwandelnden Zeitung womöglich gerade deshalb plötzlich zum absoluten Renner?
"Cindy" ist Ryan Turner (Charly Sheen), der sich als Börsenhai alle Zähne ausgebissen hat. Die beruflich nicht weniger glücklose Möchtegern-Journalistin Cindy (Denise Richards) hat ihren Freund verlassen. Als ungefragter "Ghostwriter" übernimmt Ryan ihren Kummerkasten.
Bevor seine Antworten auf die elementaren Fragen der weiblichen Leserschaft druckreif werden, braucht das Macho-Denken ein paar entscheidende Kurskorrekturen - aber dann bricht vehement das Seelchen im Mann durch. Die nichts ahnende Herausgeberin (Angie Harmon) liegt schließlich auch flach: ein filmfüllendes Therapie-Objekt für den Herrn Lebensberater . . .
"Good Advice" hat die Filmkritiker in zwei Lager gespalten - das spricht eigentlich für den Film: Die Handlung höchst unoriginell? Richtig. Dem Witz fehlt jede intellektuelle Schlagseite? Gut beobachtet. Viele vorhersehbare, biedere Gags nach altbekannten Grundmustern? Korrekt. All die Typen könnten irgendeiner niveaulosen Soap Opera entsprungen sein? Auch das stimmt ganz genau, aber eben das ist der Angelpunkt. Wie Regisseur Steve Rash mit dem abgegriffenen "Grundvokabular" von Vorabend-Seifenopern umgeht, hat nämlich nicht wenig Witz.
Mancher Gag geht unter die Gürtellinie und damit über die Hollywood-Correctness hinaus. Selbstironie schwingt mit, immer wieder scheint der Schalk mit den Akteuren durchgegangen zu sein. Dieser spontane Witz teilt sich mit. Es muss ja nicht gleich alles Niveau haben, worüber man lacht!
REINHARD KRIECHBAUM
© SN.
|