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Komödie "Tanguy - der Nesthocker" von Etienne Chatiliez, mit Eric Berger, Sabine Azèma, Andrè Dussollier
Du bist ja soo süß, wenn du willst, kannst du dein ganzes Leben bei uns bleiben!", flüstert die frischgebackene Mutter ihrem Baby Tanguy ins Ohr. 28 Jahre später beginnt sie diesen Satz zu bereuen. Zwar ist der Sohn rundum gelungen, hat Philosophie und Sinologie studiert, ist intelligent, höflich und charmant. Einzig, er macht nicht die geringsten Anstalten, jemals aus dem elterlichen Heim auszuziehen. Dabei beginnen den Eltern nicht nur die oft wechselnden Mädchen beim Frühstück oder Tanguys Angewohnheit, einfach alles liegen und stehen zu lassen, auf die Nerven zu gehen. Die blanke Anwesenheit ihres Sohnes macht sie schon halb wahnsinnig.
Sie kommen schließlich auf die Idee, mit einer Kampagne aus Bosheiten Tanguy aus der Wohnung zu ekeln. Das Phänomen von Nesthockern kennt man mittlerweile nicht mehr nur aus Italien. Meist aus finanziellen Gründen bleiben Kinder immer öfter auch nach Erreichen ihrer Volljährigkeit bei ihren Eltern wohnen.
Doch Tanguy ist kein Paradebeispiel eines Nesthockers. Was Etienne Chatiliez' Komödie so amüsant macht, ist die Tatsache, dass Tanguy bei Eltern wohnt, die aufgeschlossen, tolerant und wohlhabend sind.
Sie haben in ihrer Erziehung nichts falsch gemacht, ihr Sohn ist perfekt, und in der Tat spricht nichts gegen ein selbstständiges Leben Tanguys, außer eben, dass er sich bei seinen Eltern pudelwohl fühlt.
Über die Idee zum Film meinte der Regisseur: "Die Geschichte hatte etwas Blasphemisches, das mir sehr gefiel. Sich gegen die eigenen Kinder aufzulehnen, ist im Grunde absolut undenkbar. "Diese Auflehnung gestaltet Chatiliez in pechschwarzer, sehr unterhaltsamer Manier. Eric Berger als Tanguy gelingt es, gleichzeitig sympathisch, gebildet, gelassen und absolut nervtötend selbstgefällig zu wirken.
Damit wird nachvollziehbar, wie seinen Eltern nach und nach Bosheiten gegen ihren Sohn richtig Vergnügen bereiten. Sabine Aze`ma und Andre` Dussollier als Eltern sind ein eingespieltes Team, das in diesem Film glaubwürdig ein Ehepaar spielt, das auch nach Jahren die gegenseitige Zuneigung noch nicht eingebüßt hat. Ihre Ekel-Kampagne gegen ihren Sohn allerdings zieht sich in die Länge, denn ihr Sohn ist geübt in chinesischer Gelassenheit und lässt sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen.
Doch auch die Eltern geben nicht so leicht auf, vor allem nicht, nachdem sie erfahren hatten, dass Marcel Proust noch mit 35 bei seiner Mutter lebte.
HANNA SIX
© SN.
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