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Mit dem Vietnamkrieg sind die USA bis heute nicht fertig geworden. "Wir waren Helden" trägt dazu bei, dass es so bleibt. Er arbeitet Geschichte nicht auf, er schafft einen Mythos.
Lauter tolle Burschen kämpften damals für eine gerechte Sache - nur wie diese gerechte Sache aussah, und wer der Feind war, verrät der Film nicht. Er lebt nämlich von der Einschränkung, vom bewussten Schweigen. Der Krieg in Vietnam, wie er hier gezeigt wird, war Sache der Amerikaner, der Vietcong bildet den Hintergrund für ein mächtiges Solo der starken Amerikaner.
Der Feind bleibt anonym. Er hat kein Gesicht, keine Ideologie, keine Biografie. Er kommt in der Überzahl, er kennt das Gelände, er schlägt blitzschnell und überraschend zu. Das macht ihn unheimlich, deshalb versagen alle rationalen Kriterien, ihn zu erfassen.
Wenn das der Fall ist, bleibt das Gefühl übrig: der Hass, die Angst, die Sehnsucht nach dem Ende des Schreckens.
Wenn es um die Gefühle geht, geben sich Filme aus Hollywood stets aufmerksam. Das erspart die mühevolle Arbeit, Ordnung in eine verworrene historische Situation zu bringen.
Eine Schlacht nach dem Verständnis von Regisseur Randall Wallace besteht aus Heldenmut und Grausamkeit, aus Blut, Feuer und Eisen, aus Strategie und List. Eine Schlacht stürzt Männer in Verzweiflung, aus der sie sich in Kameradschaft retten. Sie leben auf, wenn gestorben und gelitten wird, dann sind sie Männer, von denen etwas abhängt.
Im November 1965 kam es in Nordvietnam zum ersten grausamen Gemetzel zwischen US-Soldaten und dem Vietcong. Die Amerikaner verfügten über die ausgefeiltere, schlagkräftigere Kriegsmaschine, die Vietnamesen über das Wissen und todesmutige Kämpfer. Das große Sterben wird bei Randall Wallace wirkungsvoll in Szene gesetzt. Die US-Boys sterben einzeln, die Helden bekommen ihren individuellen Tod. Die Vietnamesen sterben in Massen, sie werden reihenweise niedergemäht.
Der Krieg ist der Ausnahmezustand, irgendwie notwendig, wenn auch nicht ganz einsichtig, warum. Alle Krieger fügen sich dieser Notwendigkeit, sie haben immerhin Gott auf ihrer Seite. Und so wird aus einem Film, der Krieg nachspielt, ein unangenehmes patriotisches Ereignis.
Mel Gibson darf den Helden spielen. Als Lieutenant Colonel Harold Moore leitet er nicht nur die Schlacht, schickt seine Männer ins Gefecht, er kümmert sich redlich um sie, er ist Kumpel und Vater-Ersatz, ein Wunderkerl an Einsatz und Besonnenheit.
ANTON THUSWALDNER
© SN.
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