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Barbet Schroeder greift einen berühmten Kriminalfall auf: "Mord nach Plan" mit Sandra Bullock
Nach dem Massenmord am Erfurter Gutenberg- Gymnasium entbrannte die Diskussion über die womöglich verheerenden Auswirkungen von Gewalt-Videos oder blutrünstigen Szenen in Film und Fernsehen auf jugendliche Konsumenten. Dass auch vermeintliche Intellektualität und die Lektüre nihilistischer philosophischer Texte Motiv für eiskaltes Töten sein können, bringt der jüngste Streifen des Thriller-Spezialisten Barbet Schroeder, "Mord nach Plan" in Erinnerung.
Der Plot ist nicht neu in der (Film-)Geschichte: im Jahr 1924 begingen zweijunge Männer, Leopold und Loeb, in Chicago, den, wie sie meinten, "perfekten Mord". Sie wurden der Tat überführt, und im Vorfeld des Sensationsprozesses wurden Sigmund Freud von der "Chicago Tribune" 25.000 Dollar geboten für die psychoanalytische Untersuchung der beiden Täter (die im Übrigen dank reicher Verwandter und guter Anwälte vor der Todesstrafe bewahrt wurden.) Freud lehnte unter anderem auch aus Gesundheitsgründen ab.
Die Motivforschung haben dann im weiteren Verlauf Alfred Hitchcock mit "Cocktail für eine Leiche" (USA, 1948) und Richard Fleischer mit "Zwang zum Bösen" (USA, 1959, basierend auf dem auch in deutscher Sprache erschienenen Roman "Zwang" von Meyer Levin) übernommen.
Und nun also der in Teheran geborene Spezialist für klinische Filmstudien des Bösen, Barbet Schroeder. Zwei kalifornische Schüler nehmen sich die absolute Freiheit des Bösen und ermorden kaltblütig, beinahe interesselos, eine ihnen völlig unbekannte Frau. Die Tat wird mit nihilistischer Philosophie motiviert und hat einzig das Ziel, mit dem akribisch durchinszenierten "perfekten" Verbrechen und falschen Spuren die Ermittler schachmatt zu setzen.
Indes: ein Verbrechen ist nur genial, solange man keine Mitwisser hat. In diesem Fall werden die beiden Mörder von einer jungen Polizistin gegen alle Widerstände von oben im Einzelverhör gegeneinander ausgespielt, so dass die Verunsicherung das gegenseitige Misstrauen steigert.
Sandra Bullock spielt diese energische Ermittlerin, deren rüder Umgang mit Männern auf einer traumatischen Erfahrung beruht: in ihrer Jugend fügte ihr ein Freund, der die Trennung nicht akzeptieren wollte, Messerstiche zu. Schon wegen ihrer intensiven schauspielerischen Meisterleistung ist der Film sehenswert.
Dazu kommen aber noch die beiden jungen grandiosen Hauptdarsteller, Ryan Gosling als der anarchische, diabolische Menschen-Verführer und Michael Pitt als der lebensferne Theoretiker des tödlichen Planspiels. Schließlich versteht auch Regisseur Schroeder uns von Anfang als Mitwisser eiskalt in die Tat einzuweihen, um uns zuletzt, nach einem immens spannenden Showdown, zu beweisen, dass die Geschichte eigentlich ganz anders verlief.
GÜNTER VERDIN
© SN.
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