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Untreu
Schuld und Liebe
Der Unterschied zwischen dem Leben und einem Film besteht darin, dass letzterer sich dramatisch zu einer Geschichte zuspitzen kann, wie man sie in der Realität - glücklicherweise, sollte man wohl sagen - eher selten antrifft.

"Untreu", der neue Film von Adrian Lyne, ist ein gutes Beispiel dafür: Connie Sumner, eine Frau aus dem gehobenen amerikanischen Mittelstand, betrügt ihren Ehemann. So etwas soll bekanntlich häufiger vorkommen, die Folgen, wie sie hier zu sehen sind, wünscht man allerdings den Ehepaaren außerhalb der Welt der Fiktion ebenso wenig wie dem oder der involvierten Dritten. Inhaltlich stellt dieser Film keine Neuschöpfung dar, die Vorlage aus 1968 nennt sich "Die untreue Frau" und stammt vom französischen Filmemacher Claude Chabrol. Die Version von Lyne ist eine ausgesprochen amerikanische, ihre Botschaft ist moralisch eindeutig und heißt, dass außerehelicher Sex, noch dazu, wenn er zur Obsession wird, fürchterliche Folgen nach sich zieht.

Das wird vom ersten Moment dieser verbotenen Beziehung an deutlich, der in seiner Melodramatik als Vorwegnahme für den gesamten folgenden Film steht: Connie begegnet ihrem künftigen Liebhaber (dargestellt von Olivier Martinez) an einem finsteren Tag bei orkanartigem Sturm im heruntergekommenen New Yorker Stadtviertel Soho. Der Mann heißt Paul, hat das Flair des Bohemien, spricht mit wunderschönem französischen Akzent und verkörpert die Sinnlichkeit schlechthin.

Das erfüllt alle Klischees, und wesentlich mehr erfährt man über ihn nicht. Richard Gere als betrogener Ehemann Edward leidet so glaubhaft und ist so hinreißend liebenswert, dass die Sympathien eindeutig auf seiner Seite liegen. Wenn angesichts dieser präzisen Gliederung in verbotene und erlaubte Liebe der Film immer noch eindringliche Momente besitzt, dann liegt das an der sensiblen Figurenzeichnung von Diane Lane in der Rolle der Ehefrau.

In einer der intensivsten Szenen des Filmes etwa werden ihre Schuldgefühle geschickt in die Erinnerungen an die Stunden mit dem Liebhaber montiert. Insgesamt aber bleibt die Geschichte zu konstruiert, sind die meisten der Personen zu eindimensional, um glaubhaft sein zu können. Eben (nur) ein Film. Aber einer, der auf starke Emotionen setzt und der sein Publikum haben wird.

ANJA STILLER-REIMPELL

© SN.

 

diese seite | 08.07.2002 | 14:38

Daten und Fakten

Regie: Adrian Lyne

Schauspieler: Richard Gere, Diane Lane, Olivier Martinez, Chad Lowe, Margaret Colin

Genre: Drama

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