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Der zweite Spielfilm von der jungen deutschen Regisseurin Vanessa Jopp
Das Mädchen Joe landet eigentlich ganz zufällig in einer Clique von Punks und dort in den schlaksigen Armen von Engel ("mein Familienname, an den Vornamen erinnere ich mich nicht"). Was er will, weiß er aber genau: "Eine Anarcho-Kommune aufziehen, in den Bergen, mit Kühen und Schafen und so . . ." Das hat zwar schon vor Jahrzehnten nicht so toll funktioniert, "aber das waren eben keine echten Anarchos".
Sie weiß vorerst nur eines genau, dass sie von daheim weg will. Warum? "Stress gehabt" mit der medikamentenabhängigen Mutter und deren Freund.
In ihrem zweiten Spielfilm (nach "Vergiss Amerika") setzt die deutsche Nachwuchs-Regisseurin Vanessa Jopp eine wahre Geschichte um, die ein Journalist recherchiert hat: die alles andere als unkomplizierte erste Liebe zweier Teenies. Sie leben auf der Straße, weil es für sie eigentlich keine sinnvolle Alternative dazu gibt. Erwachsene kommen als Vorbilder nicht vor. Es zeichnen sich für die jungen Leute auch keine Ideologien, schon gar keine Werte ab, denen sich nachzueifern lohnte.
Das Establishment (die Polizei, eine Fürsorgerin) greift nur kurz ein, lässt Joe und Engel aber sofort wieder allein in Orientierungslosigkeit und ihren Nöten. Kein Wunder, dass es kommt, wie es kommt: Engel reagiert auf jede Schwierigkeit (und deren gibt es viele!) mit dem Griff nach der Spritze. Joe wird schwanger und trägt das Kind auch aus. Engel ist zwar nicht der Vater - aber er ist mit geradezu naivanrührendem Engagement bereit, in die Vaterrolle zu schlüpfen.
Vanessa Jopp erzählt die Geschichte facettenreich und spannend. Joe und Engel rufen immer auch unser Mitleid hervor. Sie sind ja halbe Kinder. Alles, was sie tun und lassen, geschieht aus tiefer Verunsicherung. Nach nichts sehnten sie sich mehr als nach Halt, nach gesellschaftlichen Wegweisern. Vielleicht wirken sie gerade deshalb so sympathisch. Die Regisseurin teilt keine Zensuren aus und geht mit Kritik vorsichtig um - vor allem und zuerst einmal erzählt sie eine starke Geschichte, mit präzise ausgeleuchteten Charakteren.
"Mich interessieren weder Yuppie-Welten noch Probleme irgendwelcher Loft-Bewohner, die einen Samenspender für ihr Kind suchen. Mir geht es um echte Gefühle und Authentizität", sagt die Regisseurin. In Jana Pallaske und Robert Stadlober fand sie zwei blutjunge Darsteller, die genau das vermitteln. Man möchte beide bei der Hand nehmen und herausführen aus dem Irrgarten der Pubertät.
REINHARD KRIECHBAUM
© SN.
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