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Breit grinsend zeigt der Privatdetektiv seinem Mandanten die Bilder vom Seitensprung der Ehefrau: "Die Nachricht ist gar nicht so schlecht. Sie haben geglaubt, es ist ein Schwarzer. Sie gehen immer vom Schlimmsten aus." Es reicht immerhin zum bestellten Mord. Aber der Mörder überlegt es sich anders, lässt Frau und Freund leben und tötet stattdessen seinen Auftraggeber.
Aber es geht nicht ganz glatt. Der Titel "Blood Simple" will uns nicht nur sagen, dass ziemlich leicht Blut rinnt. Es sind auch geistig recht simpel gestrickte Leute am Werk - und da darf schon mal herzhaft gepfuscht werden. Zuletzt glaubt sich jeder von jedem verfolgt, und so ist es ja auch tatsächlich, weil jeder der Protagonisten den anderen Mord und Rache zutraut.
1984 wurde "Blood Simple", das Filmdebüt der Brüder Joel und Ethan Coen, zum Kult-Thriller. Die beiden großen Unangepassten des amerikanischen Kinos, Joel als Regisseur, Ethan als Produzent, haben mit Filmen wie "Raising Arizona", "Barton Fink", "Fargo" und zuletzt "Oh Brother, Where Art Thou" Publikum und Kritik bei der Stange gehalten: mit einer unverwechselbaren Art des "Erzählkinos", das vergleichsweise simple Handlungen mit viel (schwarzem) Humor, einem guten Schuss Ironie und einem Quäntchen Surrealismus würzt. "Blood Simple" gibt es jetzt in überarbeiteter Fassung, als "Director's Cut", verdichtet, mit neuer Musik. Das pure Vergnügen zum Erst- wie zum Wiedersehen.
Wenn der Kamerablick durch eine Windschutzscheibe geht, sieht man das Betonband der Straße und die Seiten-Leitlinien. Bestenfalls. In den Bildräumen von Joel Coen ist kein Stück zu viel. Jedes Ding hat seine Bedeutung und seinen Platz. Wenn der Mord-Anstifter mit ein paar toten Fischen daherkommt, ist das natürlich ein Symbol. Übrigens zucken Fische auch noch längere Zeit vor sich hin, und so sorgt der gute Mann auch nach seinem Ableben noch für Action. Joel und Ethan Coen schreiben stets gemeinsam das Buch. Joel ist Filmemacher, Ethan eigentlich Philosoph. Eine gute Paarung.
Die Handlung lebt davon, dass die Handelnden immer zu wenig sagen. Glücklicherweise ist das Publikum stets einen Wissensschritt voraus - aber einen so kleinen, dass die Kipp-Effekte der Handlung trotzdem unvorhersehbar sind und stets ins Schwarze treffen. In den Hauptrollen: Frances McDormand, John Getz, Dan Hedaya und M. Emmet Walsh - lauter Charakterköpfe, die so gut in diesen schrägen Film passen wie Bleikugel und Messer in die jeweils bestgeeigneten Körperteile.
REINHARD KRIECHBAUM
© SN
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