|
Point Pleasant ist vielleicht ein zu optimistischer Name für das Städtchen an der Grenze zwischen West Virginia und Ohio. Denn dort häufen sich die übersinnlichen, beängstigenden Erscheinungen ...
... Engelartige Wesen, rätselhafte Stimmen, akustische Phänomene - und all das trifft "glaubwürdige, gläubige Menschen", beteuert die Polizistin Connie Parker (Laura Linney). Der Journalist John Klein (Richard Gere) ist ja selbst auf einigermaßen mysteriöse Weise in diese Gegend geraten: Plötzlich hatte sein Auto mitten in der Nacht eine Panne - an einem Ort, der nach Fahrzeit und Entfernung real schier unerreichbar gewesen wäre.
John steigen zum ersten Mal die Grausbirnen auf und zugleich erwacht sein journalistisches Interesse an der Sache. Und es dauert nicht lange, bis er den übersinnlichen Unheilsverkünder selbst am Telefon hat.
"Mothman" gibt es tatsächlich in der amerikanischen Überlieferung: Menschen wollen ein solches Geistwesen, halb überdimensionale Motte und halb eine surrealistische Schöpfung von Giorgio de Chirico, in den sechziger Jahren gesehen haben. Und dann geschah dort tatsächlich ein folgenschweres Unglück.
Ein Reportage-Buch von damals diente jetzt als Vorlage für den von Mark Pellington mit sicherer Hand in Szene gesetzten Film. Was macht die Qualität eines solchen Thrillers von "Akte X"-Zuschnitt aus? Die Story ist gut, denn da wird viel erzählt, viele kleine Geschichten um große Ängste und Verunsicherungen.
Pellington hat sich gehütet, abgegriffene Effekte zu strapazieren. Immer wieder taucht ein roter Lichtschein auf, aber das kann auch der Reflex einer Leuchtschrift in einer Regenlacke sein. Der Regisseur versteht es, den Kinobesucher zuerst einmal für das zu interessieren, was die Protagonisten erlebt haben: für den Unfalltod der Frau des Journalisten etwa und für die Angst einflößenden Begegnungen der unglücklichen Leute in Point Pleasant.
Eigenartige Blessuren tragen manche von ihnen davon, nachdem sie das warme, intensive Licht des Überirdischen ereilt hat: kleine Verwundungen an den Augen oder Ohren beispielsweise. Alle zweifeln zuerst einmal am eigenen Verstand, aber die Indizien für tatsächliche parapsychologische Erscheinungen häufen sich. Irgendwie scheint dann doch ein Baustein auf den anderen zu passen.
Sogar der eigenwillige Traum der Polizistin, in dem sie mit Geschenkpaketen ins Wasser fällt und versinkt, bekommt noch seine Bedeutung.
Steuert die Angelegenheit darauf zu, dass die verstorbene Frau des Journalisten im Jenseits keine Ruhe findet? Will sie ihn zu sich hinüberziehen oder ihn und andere vor Unheil bewahren?
Die Story bleibt bis zuletzt in Schwebe, könnte sich so oder so entwickeln - das macht viel von der Spannung aus.
Vor allem ist "The Mothman Prophecies" ein gediegen gearbeiteter Schauspieler-Film. Richard Gere bringt die elementare Verunsicherung eines "realistischen" Menschen gut herüber. Auch Laura Linney (die Polizistin Connie) versteht sich auf die notwendige Leisheit. Gute, glaubwürdige Besetzungen auch in den Nebenrollen. "The Mothman Prophecies" ist beileibe kein Film, in dem mit den Effekten selbstverliebt gespielt wurde.
REINHARD KRIECHBAUM
© SN.
|