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Meine Schwester Maria
Im Refugium
Maximilian Schells Film-Hommage über seine Schwester

Der Hinterglas-Kreuzweg ist in viele einzelne Puzzle-Teilchen zerbrochen. Drei Mal ist Jesus unter dem Kreuz gefallen, erklärt ein Kind dem anderen beim Zusammensetzen der Teile die Passion. Dass Maria Schell bei mehreren Gehversuchen im Schnee auf der Alm in Kärnten drei Mal stürzt, hat ebenso symbolisches Gewicht wie die Tatsache, dass Ausschnitte aus dem Film "Die letzte Brücke" den Rahmen bilden für Maximilian Schells bruderlieben Streifen "Meine Schwester Maria".

Die letzte Brücke zum einstmals gefeierten Filmstar Maria Schell ist eine Gedankenbrücke. Sie selbst hat sich in das Paradies der Erinnerung verabschiedet, hat sich zeitweise in ihrem Bauernhaus-Refugium mit elf (nicht bezahlten) Fernsehgeräten umgeben, um sich ihre alten Filme anzuschauen. Die Wirklichkeitsebenen verschwimmen im Bewusstsein der alten Dame und der Bruder zahlt nicht nur die offenen Rechnungen in Dollar-Millionen-Höhe.

Er versucht in einem Puzzle aus nachgestellten Spielszenen (die drohende Versteigerung des Gehöfts, das Eindringen von Sensationsreportern in die Privatsphäre der Schauspielerin), Wochenschau-Ausschnitten über das zerbombte Wien, der Geburtsstadt von Maria (1926) und Maximilian (1930), Spielfilm-Sequenzen und einer Art Home-Story im Dialog zu erklären, wie ein Mensch der Öffentlichkeit abhanden kommt. Gegen dieses klanglose Verschwinden - das ist nicht nur Schicksal von Prominenten, davon sind alle bedroht - hat Maximilian Schell diesen Film gedreht.

Maria Schell ist hier nicht die voyeuristisch Beäugte, sie scheint selbst aus ihren immer noch strahlend blauen Augen in einer Mischung aus Ironie und Güte das Treiben um sie herum zu beobachten.

Den Schnittpunkt in ihrer Biografie, an dem sie sich nach innen verabschiedete, weiß auch der Film nicht zu markieren: War es der Tod der geliebten Mutter, die sie bis zum letzten Atemzug pflegte, oder waren es die seelischen Verletzungen ihrer letzten großen Liebe zu einem russischen Pianisten?

Maximilian Schell hat sich verwundert darüber geäußert, warum "Meine Schwester Maria" nicht bei den diesjährigen Berliner Filmfestspielen gezeigt wurde.

Die Antwort ist, dass dieser private Film, der sich so nahe an eine lebende Person heranwagt, sich selbst vom Kommerz-Rummel ausschließt.

Der Film ist in seiner heiteren Melancholie so intim, dass einem im Kino jede Bewegung des Nebensitzenden zur Qual wird. Vergesst Maria Schell und lernt den Menschen dahinter kennen. Danke, Maximilian!

GÜNTER VERDIN

© SN.

diese seite | 29.04.2002 | 14:22

Daten und Fakten

Regie: Maximilian Schell

Genre: Dokumentarfilm

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