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Tony Gatlifs melodramatischer Flamcenco-Streifen "Vengo" mit Antonio Canales in der Hauptrolle.
MICHAEL STADLER
Macht es überhaupt Sinn, nach Carlos Sauras brillantem Streifen "Flamenco" (1995) noch Filme über diesen andalusischen Tanz zu drehen? Immerhin war es Saura perfekt gelungen, Flamenco als musikalische Manifestation der südspanischen Seele auf Zelluloid zu bannen. Funktioniert hat dies wohl nur, weil der Filmemacher konsequent auf jegliche Handlung verzichtete. "Flamenco" zeigt dokumentarisch Roma, die sich in einer stillgelegten Bahnhofshalle von Sevilla ihr Leid von der Seele tanzen und singen.
Dieser dunklen Seite des Tanzes nähert sich auch Tony Gatlif in seinem Film "Vengo" an. Ihm geht es ebenfalls um jenen Schmerz, Kummer und jene Hoffnungslosigkeit, die der Flamenco thematisiert. "Ich komme von nirgends, ich habe keine Landschaft, ich habe keinen Himmel", heißt es in einem der Lieder. Im Gegensatz zu Saura vertraute Gatlif der Magie dieser leidenschaftlichen Minderheitenmusik nicht zur Gänze. Er suchte nach einer adäquaten Handlung.Im Mittelpunkt steht die fragmentarisch erzählte Geschichte einer Fehde zwischen zwei Zigeunerclans. Caco, der von Antonio Canales gespielte Protagonist, kommt über den Tod seiner Tochter nicht hinweg. Auch wenn er ständig versucht, seine Trauer in Alkohol und Musik zu ertränken, so weicht ihm die latente Todessehnsucht nicht aus den Augen. Für ihn wird der Flamenco zum Schmerzensschrei.
Auf der anderen Seite stehen die Caravacas. Sie drängen auf Rache, weil Cacos Bruder, der sich in Nordafrika versteckt hält, einen der ihren auf dem Gewissen hat. Caco drängt auf Frieden zwischen den verfeindeten Familien, doch das lässt die Ehre nicht zu.
"Vengo" scheitert, weil Gatlif das Pathos des Flamenco noch zusätzlich in Bilder zu kleiden versucht. Eine Überdosis an Melodramatik ist die Folge. Seine besten Szenen hat der Streifen, wenn einfach nur Flamenco gespielt und getanzt wird. Das ist glücklicherweise recht häufig der Fall.
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