|
Denzel Washington verliert in "Training Day" seinen Heiligenschein.
WALTRAUD MÜLLER
Stephen Biko, Malcolm X, Hurricane - Denzel Washington verdiente für seine Rollen bisher nicht nur Oscar-Nominierungen, sondern auch einen Heiligenschein. Aber wahre Größe zeigt sich darin, ob einer auch tief sinken kann. Washington kann es, das beweist er eindrucksvoll in dem Cop-Thriller "Training Day".
Als Drogenfahnder Alonzo Harris nimmt er einen Tag lang den jungen Kollegen Jake Hoyt (Ethan Hawke) unter seine Fittiche, um vorzuführen, wie die schöne neue Polizeiwelt in L. A. aussieht: brutal, korrupt, verkommen. Dabei hat der junge Jake den Tag voller Hoffnungen begonnen, froh, dass er endlich den Schreibtisch gegen die Straße tauschen kann. Er ahnt ja nicht, dass er im Raubtiergehege landet.
"Um die Schafe vor den Wölfen zu schützen", das ist Alonzos Lektion Nummer 1, "musst du selbst ein Wolf sein." Jake hegt so seine Zweifel. Um sich nicht alles zu verderben, macht er aber erst einmal mit: Hier ein Schnaps im Dienst, da ein Joint, den sie Schulkids abgenommen haben; Vergewaltiger werden verprügelt, nicht verhaftet - alles nach Alonzos Gesetz des Dschungels. Jake entfernt sich von allem, was er auf der Polizeischule gelernt hat, macht sich zum Koplizen eines korrupten Bullen. Alles läuft auf eine Kraftprobe zwischen dem jungen Idealisten und dem alten Haudegen hinaus.
In "Training Day" liefern sich zwei hervorragende Schauspieler - der sympathische Ethan Hawke und ein Angst einflößender Denzel Washington - ein nervenzerreißendes Duell. Wenn auch nur ein Fünkchen Wahrheit dran ist an diesem von Regisseur Antoine Fuqua vorgeführten Polizeiwolfsrudel, wird einem Angst und Bange vor den Freunden und Helfern . . .
|