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Traffic
Vor allem Verlierer
Steven Soderberghs Drogen-Epos „Traffic – Macht des Kartells” mit Michael Douglas in einer Hauptrolle.

MICHAEL STADLER

Ein Held mit weißer Weste beschreitet unbeirrbar den Weg der Gerechtigkeit und lehrt die mächtigen Drogenbosse das Fürchten. Weder der Sumpf an Korruption noch das undurchdringliche Organisationsgeflecht der mafiösen Rauschgiftszene können ihn auf seiner Jagd nach den „großen Fischen”, wie es so schön heißt, aufhalten. Elend und Schicksal der süchtigen Opfer dienen dabei zumeist als dekorative Kulisse. Nach diesen Stereotypen funktioniert ein Großteil jener US-Filme, die den Kampf gegen die Drogen auf die Kinoleinwand bannen.

Steven Soderbergh versuchte, mit „Traffic” diesem konventionellen Schema auszuweichen. Der Regisseur entwirft drei parallele Handlungsstränge, die er konsequent weiter spinnt. Sie verschmelzen auch im Finale nach zweieinhalb Stunden zu keinem Ganzen, sondern berühren einander nur flüchtig – „Short Cuts” mit langem Atem.

Zu den verbindenden Elementen des Streifens zählt die mexikanisch- amerikanische Grenze. Dort findet sich ein Teil der handelnden Personen wiederholt im Megastau. Und dort werden Unmengen von Drogen aus Mexiko heraus in die Vereinigten Staaten geschmuggelt. Eine der drei „Traffic”-Geschichten spielt in Mexiko und wird aus der Perspektive des kleinen Polizisten Javier Rodriguez (Benicio del Toro) erzählt.

Er muss zum Schluss desillusioniert erkennen, dass er im Machtkampf der Drogenkartelle nur als Marionette fungierte. Dennoch erscheint er als der einzige „Sieger” des Films, weil er zumindest den persönlichen Anstand wahrt. Seine amerikanischen Kollegen in San Diego bleiben hingegen als Verlierer auf der Strecke. Sie verhaften zwar einen führenden Drogenboss, doch dessen bis dahin ahnungslose Frau Helena Ayala (Catherine Zeta-Jones) tritt bald in seine Fußstapfen, übernimmt das Geschäft und lässt den Kronzeugen ermorden. Carlos (Steven Bauer), der „große Fisch”, geht damit frei.

Auch Michael Douglas wird in „Traffic” die Verliererrolle nicht erspart. Er verkörpert Robert Wakefield, der in Washington zum neuen Drogenbeauftragten des amerikanischen Präsidenten ernannt werden soll. Mit großem Engagement bereitet er sich auf den „Krieg gegen die Drogen” vor. Als er erfährt, dass seine 16-jährige Tochter selbst rauschgiftsüchtig ist, sitzt der Schock tief. Bei seiner mit Spannung erwarteten Antrittsrede versagt ihm die Stimme. Mit den Worten „Ich weiß nicht, wie man einen Krieg gegen die eigene Familie führen soll” zieht er sich von seiner Aufgabe zurück.

diese seite | 13.05.2002 | 16:44

Daten und Fakten

Regie: Steven Soderbergh

Schauspieler: Michael Douglas, Benicio Del Toro, Catherine Zeta-Jones, Don Cheadle, Dennis Quaid

Genre: Drogen-Epos

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