|
Ein Feuerwerk intelligenter Dialoge: Kevin Costner in dem Polit-Thriller „Thirteen Days” von Roger Donaldson.
WALTRAUD PROTHMANN
Robert McNamara, US-Verteidigungsminister der Kennedy-Ära, zeigte sich tief bewegt, als nach der Voraufführung von „Thirteen Days” die Lichter angingen. Das „Global Security Institute” hatte dazu eingeladen – und nun bat man ihn, über seine persönlichen Erinnerungen zu sprechen: Im Oktober 1962 hielt die diplomatische Welt den Atem an. In Kuba hatte der kommunistische Machthaber Fidel Castro längst nur noch seine Einheitspartei zugelassen, die eine enge Anlehnung an die Sowjetunion suchte. Als er amerikanisches Eigentum konfiszierte, kam es zu Spannungen mit den USA, die, nach einer gescheiterten Landung von Exilkubanern in der „Schweinebucht” und der Stationierung sow-jetischer Mittelstreckenraketen, in einem gefährlichen – als „Kubakrise” bekannten – Konflikt eskalierten. Nie war der Ausbruch des Dritten Weltkriegs so nah gewesen.
Was sich in diesen dreizehn hektischen Tagen hinter den Mauern des Weißen Hauses zugetragen haben könnte, versuchte Drehbuchautor David Self zu rekonstruieren. Er sichtete hunderte von Kassettenaufzeichnungen, Memoiren, Artikel und CIA-Dokumenten. Er führte zahllose Interviews mit den Beteiligten verschiedener Lager. Die Ergebnisse und Erkenntnisse fügte er – nach dem Vorbild von Oliver Stones diskussionswürdigem Streifen „JFK” – gemeinsam mit Regisseur Roger Donaldson zu einem spannenden Diskurs zusammen. Im Mittelpunkt der sich rasend zuspitzenden Diskussionen stehen die beiden Kennedy-Brüder John (Bruce Greenwood) und Robert (Steven Culp) sowie deren loyaler und dennoch kritischer Berater und Vertrauter Kenneth P. O'Donnell (Kevin Costner). Sie alle liefern sich atemberaubend kontroverse Dialoge; führen brillante Streitgespräche mit den analytisch oftmals präziser argumentierenden Militärs.
Eine intelligente Aufarbeitung der kalten Sprache der Macht und die respektvolle Erinnerung an den politischen Stil John F. Kennedys, der – mit Vernunft und Wärme, zugleich aber mit einer harten, fairen und mutigen Streitkultur – die Kontrahenten zum Konsens führte. Kevin Costner, der sich schon in „No Way Out” oder „JFK” in Rollen der US-Polit-Maschinerie bewährte und mit dem Western-Epos „Dances with Wolves” eine überaus ambitionierte Regiearbeit vorlegte, dürfte mit dieser Leistung nach Jahren einen neuen schauspielerischen Höhepunkt erreicht haben. Und befindet sich überdies in bester Gesellschaft: Das virtuos komponierte Stück amerikanischer Vergangenheitsbewältigung erscheint höchst Oscarverdächtig.
„Thirteen Days” ist zudem ein Paradebeispiel dafür, dass ein wenig politische Bildung dem Unterhaltungswert keineswegs schadet und dass eine spannend erzählte Geschichte weder Gewaltdarstellungen noch Sexszenen braucht.
|